Extreme Ragweed-Verbreitung macht Allergikern zu schaffen

Erstellt am 16. August 2022 | 08:17
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Schnupfen Heuschnupfen Allergie Ragweed Symbolbild
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Foto: Elizaveta Galitckaia, Shutterstock.com
Uwe Berger, Leiter des österreichischen Pollenwarndienstes, sieht immer stärker werdende allergische Symptomen auf Ragweed (Ambrosia oder Fetzenkraut) und fordert das Einsetzen einer Task-Force.

Bei Ragweed, auch bekannt unter den Namen „Ambrosia“ oder „Fetzenkraut“, handelt es sich um ein Traubenkraut. Durch die hohen Temperaturen, die sich mit nicht zu starken Regenfällen abgewechselt haben, konnten die Pflanzen in diesem Jahr besonders gut wachsen, wodurch auch die Pollenbelastung außergewöhnlich stark ist, erklärt Uwe Berger, Leiter des österreichischen Pollenwarndienstes.

Er beobachtete, dass das Kraut vermehrt an den Straßen- und Feldrändern wächst, von wo aus die bis zu 40 Jahren keimfähig bleibenden Samen über große Flächen verteilt werden. Die Pflanze ist an ihren gefiederten, fetzenartigen Blättern sowie an dem behaarten Stängel und den weißen, körbchenförmigen Blüten zu erkennen. Außerdem kann sie eine Höhe von 1,80 Meter erreichen.

Da Ragweed keine ursprünglich europäische Pflanze ist, sondern aus Amerika eingeschleppt wurde (1883 erstmals in Innsbruck gesichtet), konnte sich unser Immunsystem nicht auf ihre Pollen einstellen und reagiert daher mit starken Symptomen, erklärt Berger. Die typischen Anzeichen einer Ragweed-Pollenallergie reichen von herkömmlichen Heuschnupfensymptomen bis hin zu Asthma und Haut-Symptomatiken (Dermatitis). Derzeit wird von etwa 150.000 Betroffen in ganz Österreich ausgegangen. Eine besonders starke Verbreitung gibt es in den Ballungszentren wie Wien und Graz, aber auch Niederösterreich.

Forschungsergebnisse und Task-Force

Forschungen der Med Uni Wien haben ergeben, dass durch Luftverschmutzung und Belastungen durch Feinstaub sowie CO2 die Reaktionen noch verstärkt werden. Aber auch „Ozon, welches als Reizgas bekannt ist, greift noch zusätzlich die Schleimhäute von Nase, Rachen und Lunge an und für Allergiker werden die Symptome kaum aushaltbar“, meint Uwe Berger. Daher fordert der Experte auch, dass eine Task-Force vom Bund gegründet werden soll, die sich um die Bekämpfung der Pflanzen kümmert.

Laut Berger müsse Ragweed zweimal im Sommer gemäht werden, einmal im Juli und ein weiteres Mal Anfang August, sodass keine Regeneration der Pflanze stattfinden kann und eine Pollenflut in Zukunft ausbleibt. Allerdings fehlt es derzeit an genügend Mulchern, um deren Anschaffung sich die Task-Force bemühen sollte. Der Forscher wünscht sich, dass sich die Politik mehr um die Bekämpfung bemüht: „Bei den Betroffenen handelt es sich schließlich nicht nur um hysterische Allergiker, sondern auch um Bauern, deren Felder von einem Ragweed-Befall betroffen sind. Aber auch die ÖBB und der Straßendienst leiden unter der Pflanze, da sie kaum noch mit dem Mähen nachkommen. Eine eigene Task-Force wäre durchaus sinnvoll.“

Uwe Bergers Vorschläge wären, die Bauern für das Abmähen befallener Felder finanziell zu entlohnen. Um das Kraut langfristig loszuwerden, müsste jedoch auch in die Forschung investiert werden, meint Berger. Es gibt bereits Ansätze, die lösungsversprechend sind, wie beispielsweise Ragweed-fressende Käfer in Italien oder eine eigens gezüchtete Schafsart sowie Chemikalien, die nur dem Fetzenkraut zu schaffen machen und alle heimischen Pflanzen verschonen. Jedoch müssen all diese Bekämpfungsversuche weiter ausgeforscht werden.

Was tun für den eigenen Schutz?

Zuhause kann jeder selbst schauen, dass er die Pflanze los wird. Findet man Ragweed im Garten, so soll man diesen, bestenfalls mit Handschuhen und einer FFP2-Maske, ausreißen und im Hausmüll entsorgen, empfiehlt der Wissenschaftler. Aber nur, wenn man sich sicher ist, dass der Abfall in einer Verbrennungsanlage landet, ansonsten müsste man die Planzenteile auf den Sondermüll bringen. Hier würde sich Berger auch wünschen, dass die Entsorgung von Ragweed kostenlos stattfinden könnte.

Um sich selbst vor extremen allergischen Reaktionen zu schützen, können Betroffene auch einfache Vorkehrungen treffen. Dazu zählt etwa, dass sie während der Pollenzeit keinen Sport im Freien betreiben und so wenig wie möglich Lüften (auch nachts). Kleidung, die draußen getragen wurde, sollte nicht mit ins Schlafzimmer genommen werden, sondern gleich in die Waschmaschine wandern. Wer stark allergisch ist, sollte beim Verlassen der Wohnung eine FFP2-Maske und eine Sonnenbrille aufsetzen.

Weitere Allergieauslöser

Natürlich gibt es auch noch weitere Neophyten, also Pflanzenarten, welche ursprünglich nicht aus Europa stammen und allergische Reaktionen herbeiführen können, wie beispielsweise die „Kanadische Goldrute“ oder den „Götterbaum“. Aber auch heimische Gewächse können gefährlich für Allergiker werden, am häufigsten reagieren Betroffene auf Beifuß, welcher dieses Wochenende seine Pollen verstreut. Doch dieser wird durch den Klimawandel immer seltener. Weitere und genauere Informationen finden Sie unter: https://www.pollenwarndienst.at/