Fit im Kopf mit Seniorentanz. Bei „Tanzen ab der Lebensmitte“ hat man die Möglichkeit, in der Gruppe das Tanzbein zu schwingen und Spaß zu haben.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 17. Februar 2019 (12:57)
privat
„Linedance“, „Squaredance“, aber auch Kreistänze werden bei „Tanzen ab der Lebensmitte“ gemeinsam getanzt.

„Wechselschritt und Wiege“, hört man Karl Hömstreit in sein Mikrofon sagen. Im Saal des Gemeinde- und Kulturzentrums GuK in Rabenstein an der Pielach, Bezirk St. Pölten-Land, ist es ein bisschen kühl, als sich die fast 30 Teilnehmer des Tanzabends von „Tanzen ab der Lebensmitte“ einfinden. „Da müssen wir was machen, damit uns warm wird“, motiviert Tanzleiter Hömstreit, der seit einigen Jahren NÖ Landesvorsitzender des Bundesverbandes Seniorentanz Österreich ist.

Normalerweise ist Karls Frau Gertraud auch bei den Tanzabenden dabei. „Aber sie hat heute Chorprobe“, klärt er auf. „Sie hat ihn überhaupt erst zum Tanzen gebracht“, sagt der Pensionist mit Leuchten in den Augen. Und genau dieses Leuchten zaubert Hömstreit, der selbst in St. Anton an der Jesnitz zuhause ist, nun seinen Teilnehmern ins Gesicht.

Jeder kann teilnehmen, gerne auch alleine

Eine davon ist Hermine Bertl. Sie hat schon immer gerne getanzt. Durch ein befreundetes Paar ist die Pensionistin auf den Tanzkurs aufmerksam geworden. „Wir sind schon von Anfang an dabei“, schwärmt Bertl, die jede Woche mit ihrem Mann Hans das Tanzbein schwingt. Der „Boarische Tanz“ gefällt dem Ehepaar dabei am besten.

Um an den Kursen von „Tanzen ab der Lebensmitte“ mitmachen zu können, muss man aber nicht zu zweit kommen. „In der Tanzschule geht das oft nicht, aber bei uns darf man auch gerne alleine kommen“, so Hömstreit. Ihm ist es wichtig zu erwähnen, dass wirklich jeder beim Kurs teilnehmen kann, egal, wie er gesundheitlich „beieinander ist“. Es gäbe auch keine Altersbegrenzung: „Leute ab etwa 50 Jahren fühlen sich bei uns wohl. Wir haben aber auch 90-jährige Tänzer. Man braucht außerdem keine Vorkenntnisse.“

Gerti Treitl ist ebenso schon seit Jahren beim „Tanzen ab der Lebensmitte“ dabei. Heuer stehe ein ganz besonderer Termin an, erzählt sie: „Am 24. Juni ist das 100. Mal tanzen. Da kommt auch der Bürgermeister. Das ist ein wichtiger Termin. Ich selbst habe, glaube ich, erst zweimal gefehlt!“

Maria Oberleithner habe sich nicht sofort hergetraut, erst, als sie so viele positive Stimmen zu Hömstreits Kurs gehört hat. „Der Karl macht das so exakt“, schwärmt Oberleithner. „Mir taugt jeder Tanz, vor allem wenn ich ihn beherrsche.“ Vor allem würde man den Fortschritt schnell bemerken, den man im Zuge des Kurses macht.

Die Musik, die im Kurs gespielt wird, kommt vom Ipad und ist komplett unterschiedlich, und so ist für jeden Geschmack etwas dabei. „Linedance“ wird genauso geübt wie „Squaredance“, historische Kontratänze und auch Kreistänze. Sogar einen Sitztanz gibt es nach der wohlverdienten Pause für die Teilnehmer. Wer glaubt, dass die Schrittfolgen Kinderkram wären, irrt. Beim Tanzen muss man sich viel merken.

Fit im Kopf durch Bewegungsmuster

Für den Geist sei das Tanzen besonders wichtig, sagt der Tanzleiter: „Wir schwitzen fast mehr vom Denken als von der Bewegung.“ Sich an bestimmte Bewegungsmuster zu erinnern und wiederzugeben sei eines der besten Mittel, dem im Alter so gefürchteten Verlust der geistigen Kompetenz entgegenzuwirken. Das unterstreicht Barbara Birkner, die seit mehreren Jahren in Rabenstein tanzt: „Man ist geistig wirklich gefordert.“

privat
Die Frauen, die für den Kurs den männlichen Part übernehmen, bekommen eine Kluppe.

Selbst eine Studie der medizinischen Fakultät der amerikanischen Universität Stanford sage aus, erklärt Hömstreit, dass Tanzen das Risiko, an Demenz oder Alzheimer zu erkranken, um bis zu 76 Prozent senken kann.

Zu den gesundheitlichen Vorteilen kommt aber auch der verbindende Charakter hinzu, weil in der Gruppe getanzt wird. „Diese Gemeinschaft gefällt mir sehr. Wir haben einfach immer Spaß und gute Laune“, so Birkner. Fast 30 motivierte Teilnehmende sind in Rabenstein jeden Montag, ab 18 Uhr, dabei. Neue Tänzer kommen regelmäßig dazu.

Die Männer sind jedoch klar in der Minderheit. „Männer sind einfach tanzfaul“, scherzt Karl Hömstreit. Das störe aber nicht so.

„Wir sind bei Geschlechtsumwandlungen flexibel“, sagt er lachend. Die Frauen, die für die Tanz-Einheit den männlichen Part übernehmen sollen, bekommen einfach eine Wäschekluppe angesteckt und „dann kennt sich jeder aus“.