Erstellt am 17. Mai 2018, 04:45

Baumeister Poschalko über die bestmögliche Sicherheit . Gebäudesicherheit ist ein breites und komplexes Feld, das nicht zuletzt deshalb sogar in einer eigenen ÖNORM geregelt ist. Baumeister Karl Poschalko sprach mit Gina Christof darüber, was Gebäudesicherheit heißt, wer dafür verantwortlich ist und was die Problemfelder dieser Thematik sind.

Karl Poschalko ist Baumeister und hält Kurse zum Thema der Sicherheit ab.  |  privat

NÖN: Was wird unter dem Begriff Gebäudesicherheit verstanden?

Karl Poschalko: Bei der Gebäudesicherheit geht es darum, dass ein Bauwerk so sicher ist, dass die Personen darin das Gebäude sicher verlassen und sich sicher darin aufhalten können. Es geht also darum, alle Gefahren- stellen, die die Gesundheit oder sogar das Leben von Menschen gefährden könnten, zu beseitigen. Erhöhte Anforderungen gibt es dann natürlich in Zusammenhang mit Kindern, älteren und behinderten Menschen. Die Sicherheit ist deshalb auch durch OIB-Richtlinien geregelt, die als Maßstäbe herangezogen werden.

Was sind klassische Gefahren-stellen, die unbedingt vermieden werden sollten?

Poschalko: Bei Gefahrenstellen handelt es sich in erster Linie um Parameter, wie Absturzhöhen, Verglasungen oder den Brandschutz. Dazu gehören dann Dinge wie Handläufe, Absturzsicherungen, erste Löschhilfen, wie beispielsweise Feuerlöscher oder Rauchmelder oder lockere Schachtabdeckungen.

Wer ist für die Sicherung von Gebäuden verantwortlich?

Poschalko: Die Gebäudesicherheit liegt immer in der Eigenverantwortung des Eigentümers, der nach der ÖNORM B1.300 immer der Verantwortungsträger ist. Wenn etwas passiert, wird letztlich dieser zur Verantwortung gezogen.

Was sind die Konsequenzen, wenn nicht für ausreichende Sicherheit gesorgt wurde?

Poschalko: Zunächst einmal natürlich, dass es zu Verletzungen oder Schlimmerem kommen kann. Passiert etwas und hat sich der Eigentümer nicht an die gesetzlichen Vorschriften gehalten, muss er die Konsequenzen tragen. Das kann von Problemen mit der Versicherung – wobei es hier oft viele Grauzonen gibt – bis hin zu zivilrechtlichen Konsequenzen gehen. Zivilrechtlich deshalb, weil das Baurecht ja eigentlich ein Verwaltungsrecht ist, das heißt, es handelt sich hierbei um eine statische Angelegenheit. Wenn aber etwas passiert und es kommt zu Verletzten, ist das eine Sache des Zivilrechts. Es gab zum Beispiel den Fall, dass ein älterer Herr gestürzt ist und sich das Genick gebrochen hat. In diesem Fall hat der zweite Handlauf gefehlt. Das ist dann zivilrechtlich gesehen eine fahrlässige Tötung, bei der der Eigentümer oder Betreiber zur Verantwortung gezogen wird.

Besonders alte Gebäude weisen das Problem auf, dass sie oftmals nicht am neusten Stand der Technik sind – oft sind diese Mängel für den Laien nicht offensichtlich, wie hier eine Bruchgefahr durch fehlenden Stufenverbund.  |  Poschalko

Wer ist für die Überprüfung der Sicherheit von Gebäuden zuständig?

Poschalko: Hier ist es zunächst einmal wichtig, zwischen Neubau und bestehenden Gebäuden zu unterscheiden. Bei Neubauten sollte die Überprüfung bei der Planung nach den bestehenden Gesetzen und durch den Planungskoordinator bzw. nach dem gültigen Bau KG (Baukoordinationsgesetz) erfolgen. Bei der Ausführung sollte der Bauführer die Überprüfung der vorgeschriebenen Maßnahmen überprüfen und bestätigen, dass die Sicherheitsregeln eingehalten wurden. Bei bestehenden Gebäuden sollte extra überprüft werden, ob die Sicherheit eingehalten wurde. Letztlich muss immer der Eigentümer selbst dafür sorgen, dass die Sicherheit hergestellt ist, er ist da eigentlich auf sich selbst gestellt. Dadurch gibt es natürlich – wie in vielen anderen Feldern – das klassische Problem, dass kein Hahn krähen wird, solange nichts passiert.

Gibt es einen Unterschied in der Sicherung und Überprüfung von privaten und öffentlichen Gebäuden?

Poschalko: Eigentlich sollte es keinen Unterschied zwischen privaten und öffentlichen Gebäuden geben. Letztere sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Hier gibt es natürlich auch Punkte, wie beispielsweise das Behindertengleichstellungsgesetz, bei dem seit 1. Jänner 2016 die Übergangsfrist abgelaufen ist. Wie es in vielen öffentlichen Gebäuden dennoch aussieht, wissen wir aber. Ansonsten ist privat und öffentlich hier gleich geregelt – bei beiden ist letztlich der Eigentümer bzw. Betreiber verantwortlich und es gibt keine wirklichen Überprüfungen.

Wie erreiche ich die maximale Sicherheit in meinem Haus?

Poschalko: Passieren kann natürlich immer etwas. Aber wenn ich die gesetzlich vorgeschriebene Sicherheit vollkommen einhalten möchte, erreiche ich diese, indem ich sämtliche OIB-Richtlinien und das Baurecht einhalte.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich mein Haus sicherheitstechnisch überprüfen lassen möchte?

Poschalko: Am besten ist es natürlich, sich an Fachkräfte, wie beispielsweise Baumeister, zu wenden. Hier gibt es beispielsweise die Bundesinnung für Bau, an die man sich richten kann. Zurzeit haben wir aber auch das Problem, dass sehr viele sogenannte „Experten“ herumschwirren, die vorgeben, sich auszukennen, in Wirklichkeit aber nicht kompetent sind. Da ist ein ganz neuer Geschäftszweig entstanden. Von diesen „Experten“ bekommt der Eigentümer dann Feststellungsbefunde vorgelegt, in welchen Mängel nicht aufgezeigt oder vergessen wurden. Kommt es aber zu einem Unfall und es werden solche „vergessene oder übersehene“ Mängel festgestellt, obwohl der Befund vermeintlicherweise gepasst hat, wird trotzdem der Eigentümer zur Verantwortung gezogen. Wir sind gerade dabei, dieser Problematik entgegenzuwirken und erstellen eine Website, die alle zertifizierten Gebäudesicherheitsprüfer auflistet.

Was sind Unklarheiten oder Problematiken in Zusammenhang mit diesem Thema?

Poschalko: Das Hauptproblem in Zusammenhang mit der Gebäudesicherheit ist, dass es derzeit in den OIB-Richtlinien keine eigenen Regelungen für Bestandsgebäude gibt. Es zählt also immer der heutige Stand der Technik – und nicht der damalige Stand. Das heißt Neubauten und Altbauten werden mit denselben Parametern behandelt. Das führt dann zu teils skurrilen Fällen, wie das zum Beispiel bei Geländern der Abstand der Stäbe maximal zwölf Zentimeter betragen darf, was in Altbauten aber meistens nicht der Fall ist. Da wurde auf die alten Gebäude vergessen. Ein Problem in diesem Zusammenhang ist dann natürlich immer auch das Geld. Das Nachrüsten in bestehenden Gebäuden kann sehr kostenintensiv sein, das ist manchmal einfach nicht leistbar. In solchen Fällen ist es dann wichtig, zumindest an den wirklich gefährlichen Stellen Erstmaßnahmen zu treffen.

Gina Christof/NÖN-Sonderjournal-Redaktion