Lehm und Stroh als nachhaltige Baumaterialien. Baumaterialien wie Lehm und Stroh werden immer beliebter. Vor allem wegen ihrer Nachhaltigkeit.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 06. November 2019 (04:54)
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Lehm entsteht durch Verwitterung oder Ablagerung von Sand, Schluff und Ton und ist daher ein nachhaltiges Material.

Auch wenn bei Baumaterialien für Gebäude der Gedanke vielleicht als Erstes auf den Ziegel fällt, gibt es noch weit mehr nachhaltige Baustoffe, die sich wieder hoher Beliebtheit erfreuen.

Über 9.000 Jahre, bis weit ins 19. Jahrhundert hinein, galt Lehm als weitverbreitetes Baumaterial. Mit der zunehmenden Industrialisierung bekam Lehm einen schlechten Ruf. Auch Stroh als Baustoff musste einige Zeit pausieren. Erfunden vor über 100 Jahren, wurde es als Material erst wieder in den 1980er-Jahren entdeckt. Und das, obwohl das Bauen mit Stroh die Umwelt schützt und durchaus kostensparend ist.

Laut Experten war die Kombination mit den damals neuen Baustoffen Zement und Gips schuld am schlechten Ruf von Lehm. Durch diese kam es nämlich zu Schäden an den Bauwerken.

Umdenken erst im letzten Jahrhundert

Erst als Ende des letzten Jahrhunderts ein Umdenken in Umweltfragen einsetzte, wurde Lehm als Baustoff wiederentdeckt. Am Markt erhältlich sind anwendungsfreundliche Lehm-Fertigprodukte wie Lehmbau-Platten und Lehm-Passivhaus-Module. Der Strohballenbau ist arbeitsintensiv, aber dafür kostensparend. Stroh wurde zu Beginn aus Materialnot verwendet.

Bald bemerkte man jedoch, dass sich Stroh in der Hitze des Sommers, aber auch in der Kälte des Winters bewährt. Diese dann in Vergessenheit geratene Bauweise wurde erst in den 1980er-Jahren von der ökologischen Baubewegung wiederentdeckt und in alle Welt verbreitet. Zahlreiche Niedrigenergie- und Passivhäuser sind mit diesem Baustoff, der eine gute Wärmedämmung aufweist, seither gebaut worden. Landwirtschaftliche Ballenpressen stellen die Strohballen für den Hausbau her. Die Ballen enthalten reines Stroh sowie Bindeschnüre, keine sonstigen Zusätze. Im Strohballenbau wird zwischen tragender und nichttragender Bauweise unterschieden: der Nebraska-Stil und die Holzständerbauweise.

Und auch Lehm galt lange als minderwertiges „Arme Leute-Baumaterial“. Doch auch hier können die Vorteile nicht von der Hand gewiesen werden.
Sowohl die Aufbereitung als auch die Verarbeitung zeichnen Lehm als Niedrigenergie-Variante aus, die gerade ein Prozent dessen verschlingt, was für die Herstellung von gebrannten Ziegeln benötigt wird.

Außerdem sorgt das Speicherverhalten für eine Verbesserung des Wohnklimas. Das Raumklima wird in Lehmburgen über die Luftfeuchtigkeit reguliert. Durch das ausgeglichene Raumklima wird Schimmelbildung verhindert. Die in Wasserdampf gelösten Schadstoffe werden zudem aus der Luft absorbiert.

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