Erstellt am 12. März 2018, 09:15

von NÖN Redaktion

Stefan Stockinger: "Smart Home ist für alle gedacht". Stefan Stockinger vom Technikum Wien sieht Smart Home als Haus mit Hirn. Davon profitieren viele.

Stefan Stockinger arbeitet als Junior Researcher am UAS Technikum Wien und absolviert dort seinen Master in Electronic Engineering.  |  privat

NÖN: Was macht ein Smart Home aus?

Stefan Stockinger: Was das typische Smart Home ist, ist schwer zu beantworten. Ich sehe das Thema eher als eine große Schachtel mit vielen Funktionen. Je nach Wünschen des Besitzers können die einzelnen Funktionen herausgepickt und implementiert werden. Manche legen Wert auf eine fancy Beleuchtung, andere fokussieren sich rein aufs Energiesparen.

Wichtig: Ein automatisiertes Gebäude ist nicht zwingend smart. Von einem Smart Home spricht man, wenn die Systeme untereinander vernetzt sind und zusammenarbeiten. Ein Beispiel: Heizung und Kühlung sind vernetzt und es kann NUR Heizung oder die Kühlung laufen, beides gleichzeitig aber nicht. Sind diese Systeme nicht vernetzt, kann es durchaus passieren, dass geheizt und gekühlt gleichzeitig wird, und das ist nicht smart.

Ich bezeichne das Smart Home auch gerne als Haus mit Hirn. Die einzelnen Systeme sind miteinander verbunden und die Aktionen abgestimmt.

Für wen ist ein Smart Home gedacht?

Stockinger: Es ist für alle Menschen. Wie bereits erwähnt, sehe ich das Thema wie einen Pool an Funktionen, wo für jeden etwas dabei ist. Auch preislich gibt es mittlerweile Systeme, die für jeden leistbar sind. Sowohl für den Neubau als auch zum Nachrüsten basierend auf einer Funktechnologie. Es ist also für jeden etwas Passendes dabei.

Welche Möglichkeiten bietet die innovative Wohnform?

Stockinger: Je nach System gibt es unterschiedliche Features. Heizung (Einzelraumregelung, Urlaubsmodus, automatische Modusumschaltung in Übergangszeit), Beschattung (Blendschutz, Sturmschutz, Sonnenenergie zum Heizen nutzen), Lichtsteuerung (automatische Abschaltung nach einer gewissen Zeit ohne Bewegung), Energiesparen (Energiemanagement bei PV, Lademanagement für Elektrofahrzeug, Stand-by Killer, Statistiken), Sicherheit (Videoüberwachung, Alarmanlage ohne zusätzliche Sensoren, Anwesenheitssimulation (Musik, Licht).

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Ergeben sich daraus neue Berufssparten?

Stockinger: Die Aufgabe des Systemintegrators wird immer wichtiger werden. Ebenso werden Elektro-Installateure immer öfter mit dem Programmieren oder Konfigurieren von Smart Home-Systemen in Berührung kommen. In Österreich haben wir das Glück der guten Lehrlingsausbildung.

Als Elektroinstallationstechniker bekommt man eine Einführung in die Programmierung von Speicherprogrammierbaren Steuerungen. Auch gibt es Studiengänge, die sich auf das Thema Smart Home spezialisiert haben. Die Studierenden bekommen hier eine fundierte Ausbildung quer durch die Smart Home-Landschaft.

Wer wird benötigt, um ein Smart Home zu bauen?

Stockinger: Wer neu baut, kann natürlich beim Elektriker des Vertrauens nachfragen, welche Systeme er anbieten kann. Wenn man spezielle Funktionen oder Systeme bereits ins Auge gefasst hat, hilft auch oft die Recherche im Internet. Viele Smart Home-Hersteller listen ihre Partner auch online, beziehungsweise kann über ein Kontaktformular ein Partner in der Umgebung kontaktiert werden.

Ein Smart Home steigert nicht nur die Lebensqualität im Alltag, sondern kann auch helfen Energie zu sparen. Wie funktioniert das?

Stockinger: Laut Statistiken werden mehr als zwei Drittel der Energie im Haus für die Heizung verbraten. Dadurch ergibt

sich dort das größte Einsparungspotenzial. Durch eine intelligente Einzelraumregelung können beispielsweise bis zu 30 Prozent des Energieverbrauchs für die Heizung eingespart werden.

Intelligente Einzelraumregelung bedeutet, dass jeder Raum zu jeder bestimmten Zeit eine bestimmte Temperatur hat – natürlich an das Verhalten und den Lebensstil der Bewohner angepasst. Ebenso können Beschattung und Heizung zusammenarbeiten und die Aktionen abgestimmt werden.

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Ein weiterer Punkt ist das Energiemanagement beziehungsweise die Eigenverbrauchsoptimierung bei einer PV-Anlage. Es ist kein Geheimnis, dass sich die Kosten einer Photovoltaikanlage schneller amortisieren, wenn so viel Energie wie möglich in den eigenen vier Wänden eingesetzt werden kann.

Denn der Einkaufspreis beim Strom ist höher als der Verkaufspreis. In einem Smart Home kann das durch gezieltes Einschalten von Verbrauchern realisiert werden.