Erstellt am 27. Mai 2018, 03:29

von Gina Christof

Energieautark und CO2-neutral durch Wasserkraft. Leopold Hofstätter betreibt eine Mühle für die Aufbereitung von Biodinkel. Vor einigen Jahren hat er ein Kleinwasserkraftwerk errichten lassen und erzeugt nun energieautark und CO2-neutral.

Insgesamt 1,1 Millionen Euro hat der Müller Leopold Hofstätter in das Wasserkraftwerk im Kamp investiert. Nun produziert er vollkommen energieautark und speist überschüssige Energie sogar ins Netz der EVN ein.  |  Leopold Hofstätter

„Ich habe über 20 Jahre lang den Wunsch verfolgt, das ehemalige Wasserkraftwerk wieder in Betrieb zu nehmen“, erzählt Leopold Hofstätter aus Gars am Kamp, der letztendlich von der Firma Jank ein modernes Wasserkraftwerk mit Kaplanturbinen errichten ließ.

Standort mit Geschichte

Ursprünglich hatte an dieser Stelle ein Wasserrad gestanden, das 1988 außer Betrieb genommen wurde. Nachdem der gelernte Müller 1995 den Betrieb übernommen hatte, war sein großes Ziel eine CO2-neutrale Produktion. Diesem näherte er sich schrittweise immer weiter an. Neben dem Wasserkraftwerk als letzten Schritt gibt es so auch eine Photovoltaik-Anlage und ein Heizwerk, in dem getrocknete Biomasse verbrannt wird.

Im Jahr 2011 war es dann so weit: Der lang geschmiedete Plan wurde Realität. „Ich habe mit der Firma Jank schon früh Kontakt aufgenommen, sie haben mich vor allem durch ihre kompetente und sympathische Art überzeugt“, erzählt Hofstätter. Zudem erhielt er die Zusage für eine Direkt-Investitionsförderung des Landes NÖ sowie eine extra Förderung für die Fischaufstiegshilfe. Insgesamt 1,1 Millionen Euro investierte er schließlich insgesamt in die Anlage, nach sechs Monaten war sie fertig.

So wenig wie möglich wurde verändert

„Mir war vor allem wichtig den Kamp als alte Kulturlandschaft mit all seinen alten Wehranlagen bestmöglich zu nutzen“, meint Hofstätter. Die ursprüngliche Stauhöhe von 2,20 Meter wurde beibehalten und auch sonst wurde so wenig wie möglich verändert. „Es ging mir darum, aus den Gegebenheiten das Maximum mit modernen Techniken herauszuholen“, erklärt Hofstätter.

Dieses Maximum holt er auch tatsächlich heraus. Sein Betrieb ist nun energieautark. „Ich produziere teilweise sogar mehr als ich selbst brauche“, sagt Hofstätter. Jährlich kommen so rund 950.000 Kilowattstunden zusammen. 40 bis 50 Prozent davon braucht der Müller für seinen eigenen Betrieb. Überschüssige Energie wird ins Netz der EVN eingespeist. „Das ist zum Beispiel in der Nacht, wenn die Mühle steht oder wenn mehr Wasser da ist“, so Hofstätter.

Wichtig war ihm auch, dass er als Betreiber keinen Aufwand hat. Das Kraftwerk läuft ganz von selbst. „Einmal am Tag sehe ich nach, ob alles passt oder ob sich Treibgut verfangen hat, und einmal im Monat muss ich das Ding schmieren – das war’s“, freut sich Hofstätter.

Gina Christof/NÖN-Sonderjournal-Redaktion