Die Ohrenkraxler im Apfelbaum. Wildbienen vor dem Fenster und Vergissmeinnicht zwischen den Steinen – auch (und gerade) mit einem „Natur im Garten“-Schild am Tor lässt es sich ganz entspannt gärtnern. Und zum Beispiel zu Ostern den Bäumen beim Blühen zuschauen.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 18. April 2019 (01:44)

Im Apfelbaum wohnen die Ohrenkraxler. Am Baumstamm sonnen sich die Schildkröten. Im Komposthaufen wächst ein Hollerbusch. Und davor, zwischen Steinmauer und Ligusterhecke, steht ein Hotel. Mit Ziegeln am Dach, Holzschnitzerei an der Fassade und ganz vielen großen und kleinen Löchern in den Stockwerken. Kleine, dicke, dunkle Bienen („das sind Wildbienen, die stechen nicht!“) summen ein und aus. „Da“, lacht Leopold Mayrhofer, „ist schon ganz schön viel los!“

Da, das ist im Mostviertel, auf halbem Weg zwischen St. Pölten und Melk, in einer schmalen Gasse hinter einem schlanken Tor. „Natur im Garten“ steht dort auf einem weißbunten Schild zwischen schmiedeisernen Stangen, wo ein Igel zwischen Löwenzähnen zwinkert. Seit zehn Jahren hängt es dort, das Schild, seit 20 Jahren gibt es den Garten dahinter. „Das war früher der Obstgarten meiner Großtante“, erzählt Mayrhofer. Der gelernte Eisenhändler hat erst vor sieben Jahren umgesattelt, ökologisches Gartenmanagement studiert und bei Niederösterreichs Naturgarten-Initiative (die mit dem Schild und dem Igel) angeheuert.

„Ich versuch’, es mir einfach zu machen!“ Gartenberater Leopold Mayrhofer über seinen „Natur im Garten“-Garten in Loosdorf

„Die Leidenschaft war aber schon vorher da!“ Der Garten auch. 1.700 Hektar ist er groß. Hat in einem Eck einen Teich für die (Sumpf-) Schildkröten, in einem anderen einen Schwimmteich für die Menschen, hat neben dem Gartenhaus einen Blauglockenbaum für die Hummeln und hinter dem Gartentor einen Sommerflieder für die Schmetterlinge. Und hat ein paar Schritte hinter dem Luxushotel für die Wildbienen zwei, drei, vier Komposthaufen, voller Kellerasseln und Springschwänze, Regenwürmer und Rosenkäferlarven. Und: mit ein paar grünen Blättern, die obendrauf fröhlich sprießen.

„Ich verwende den Kompost auch zum Einschlagen, jetzt gerade von zwei Hollerstauden.“ „100 Stunden“, sagt Leopold Mayrhofer – der als „Natur im Garten“-Berater im Mostviertel auch Bürgermeister und Hobbygärtner von der Pendelhacke statt vom „Kampfstoff“, also: vom Unkrautgift überzeugen will – „100 Stunden (ich hätte geglaubt, es sind mehr) arbeite ich im Jahr im Garten. “ Lässt diesen ganz oft einfach wachsen. Lässt die riesige, dürre Buchsbaumkugel stehen („wenn er hin ist, ist er hin, der Buchs“). Lässt sein Schattenbeet wuchern („da habe ich Hortensien, Farne, Funkien – und eine Ecke, um die ich mich nicht kümmern muss“). Lässt den Löwenzahn und das Vergissmeinnicht durch die Fugen kriechen und die Mauerkatze über die Steinmauern.

„Wir sind im Garten tendenziell viel zu sauber. Wir sperren Steine in Gitterkörbe ein, wir pflanzen Gräser statt Blüher, wir kaufen fertige Erde, ‚torfreduziert‘ … Wenn ich einen Garten planen will, setz’ ich mich mit meiner Familie an den Tisch und überlege, was brauche ich. Das würde auch viel mehr Vielfalt bringen!“ Und das würde gerade jetzt im Frühling, rund um Ostern, wo man auch mal „durchputzen“ dürfe, „eine blühende Explosion“ bringen. Was bei ihm als Nächstes kommt? „Die nächsten werden zwei Staudenbeete sein …“