Eine Beere für alle Fälle aus dem Mostviertel. So viele Vitamine wie die Sanddornbeere hat sonst keine. So eine schöne Farbe auch nicht. Die leuchtet nicht nur in einem Mostviertler Beerengarten. Die leuchtet auch in Likörflaschen, Marmeladegläsern und sogar in Schokoladentafeln.

Von Michaela Fleck. Erstellt am 20. März 2019 (02:30)
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Über 200 Sorten gibt es von der Korallenbeere, dem Sanddorn – von der Nordseeküste bis nach China. Zwei davon baut Sylvia Zöchinger im Mostviertel an.

„So heikel wie die Marille ist er nicht. Aber man muss ihn immer einzäunen. Weil: Die Rehe und die Hasen, die mögen ihn auch!“ Lacht Sylvia Zöchinger. Und meint kein Haustier. Sondern ihren Sanddorn.

Der wächst seit drei Jahren in Sylvia Zöchingers Garten, in Ruprechtshofen, mitten im Mostviertel. Einen Hektar hat er dort Platz und jetzt, im dritten Jahr, hundert Stauden. „Der Grund ist sandig, das mag er gern“, erzählt die Nebenerwerbsbäuerin. „Und wenn er trägt, dann trägt er viel!“ Und wenn’s ihm gefällt, dann wird er auch schon vier Meter hoch. „Da muss man ihn dann schon schneiden – aber nur die Hälfte.“

Aus dem Rest, genauer: aus den Beeren macht Sylvia Zöchinger Säfte, Liköre, Schnäpse, Marmelade, aber auch Tee, Senf, Gewürzsalz, Schokolade, Pralinen und sogar Bandnudeln und Gummibärchen. „Die Schokolade und die Gummibärchen, die mach’ ich nicht selber. Aber für alles andere steh’ ich jeden Tag nach der Arbeit im Keller. “

"So schmeckt NÖ"

Nach der Arbeit heißt für die Ruprechtshofnerin nach der Schule. Dort, an der HLW in Türnitz, hat sie als Fachvorstand mit ihren Schülern einst mit Josta-Beeren experimentiert. Dann kam Niederösterreichs Genussinitiative „So schmeckt NÖ“. Und meinte, sie sollte es doch mal mit Sanddorn probieren. Das war vor sieben Jahren. Sylvia Zöchinger begann mit dem Wildpflücken, „aber die Plätze, die verrät ja keiner“. Mit der Zeit wusste sie, wo sie suchen muss. Und fing gleichzeitig an, im Waldviertel, bei ihrer Tochter, Sanddorn anzubauen.

Auch heute, mit dem eigenen Label („Siwis Sanddorn“ heißt das) und dem ersten Saft, den sie gerade für die Bio-Zertifizierung angemeldet hat, bekommt sie noch wild gepflückte Beeren von Freunden, Nachbarn, Bekannten. „Ohne die hätte ich viel zu wenig – auch wenn ein Kilo Beeren immerhin einen Dreiviertelliter Saft ergibt.“ Die wilden Beeren seien „etwas kleiner und dunkler“, und auch „etwas anders im Geschmack“. Säuerlich-bitter sei der, obwohl die leuchtendorange Farbe für viele „ganz süß“ aussieht. Dafür hätten die Beeren mehr Vitamin C als Zitronen oder Orangen, außerdem Vitamin B 12, mehrfach ungesättigte Fettsäuren und viele Carotine. Und sind gerade im Winter perfekt fürs Immunsystem.

„Wenn ich verkühlt bin, trinke ich ihn pur“, meint Sylvia Zöchinger über ihren Sanddornsaft, eines von mittlerweile 25 Produkten, die sie sozusagen ab Haus verkauft und die auch der Küchenchef des Wiener Palais Coburg ordert. „Aber ich mag auch sonst alles, von der Marmelade bis zur Schokolade …“