Erstellt am 18. Mai 2018, 05:06

Wie ein Fels in der (Bau-)Brandung. Bei der Verwirklichung des Traumhauses sorgt ein Statiker dafür, dass es bei Sicherheit & Kosten kein böses Erwachen gibt.

Ohne Statik nicht zu machen: Hochbau im Stadtgebiet.  |  Peq Free / Shutterstock.com

An sich könnte es sich ein Bauherr in Niederösterreich einfach machen: Die NÖ Bauordnung sieht die Beauftragung eines Statikers nicht zwingend vor. Auch ein Baumeister kann die statischen Nachweise erbringen.

Bei Häusern ohne viel Schnick-Schnack stelle dies auch keine große Herausforderung dar, wie Statiker Christian Simlinger aus Leobersdorf zugibt.

Er ist Ingenieurkonsulent für Bauingenieurwesen, staatlich befugter und beeideter Ziviltechniker sowie allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger mit den Fachgebieten Hochbau und Statik.

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„Bei anspruchsvoller Architektur ist es ratsam, einen Statiker hinzuziehen. Der Architekt denkt oft in eine gewagte Richtung, der Statiker kann bei der Umsetzung helfen“, erzählt Simlinger aus der Praxis.

Er kennt die Möglichkeiten der verschiedenen Materialien – so sei Beton massiver und Stahl leichter. Dies würde für eine leichte, filigrane Erscheinung sorgen. Der Statiker berechnet auch, wo es welche Stützen braucht und ob zum Beispiel ein fünf Meter auskragendes Bauteil möglich ist.

Bereits bei der Planung wirtschaftlich denken

„Am meisten kann ich bewirken, je früher ich dabei bin“, so Statiker Christian Simlinger. Es macht sich im wahrsten Sinne bezahlt, ihn bereits bei der Pla-

nung mit einzubinden. Er hilft, wirtschaftlich zu bauen. So braucht es vielleicht keine 20 Zentimeter dicke Betondecke, vielleicht reichen auch 18 Zentimeter.

„Ein guter Statiker wird sich für den Bauherren rechnen“, verspricht der Statik-Experte aus Leobersdorf. Ein einfaches statisches Gutachten sei bereits ab 1.000 Euro zu haben.

Was der Statiker genau macht? Der Statiker berechnet die Tragfähigkeit der Wände und aller Gebäudeteile, die Fundierung, und er weiß über alle Auswirkungen Bescheid. In Niederösterreich ist zum Beispiel auch die Erdbebensicherheit ein Thema: So ist die Thermenlinie im südlichen Gebiet Erdbebengebiet.

Keine Sanierung ohne statische Analyse

Wer sich für die Sanierung eines Althauses entscheidet, ist gut beraten, das nicht ohne Statiker zu machen. Eine statische Analyse mit einer genauen Besichtigung und Bestandsaufnahme kann die Umbaukosten um mehr als die Hälfte senken.

Wer tragende Wände heraus- nimmt und durch neue Stahlträger ersetzt, muss tiefer in die Tasche greifen, als wenn er nicht tragende Innenwände entfernt. „Der Nutzen ist für die Bewohner gleichwertig, es kostet aber wesentlich weniger“, informiert Christian Simlinger.

Tragfähigkeit, Deckendicke, Erdbebensicherheit: Eine statische Analyse gehört zu jedem Bauplan.   |  Lifestyle Graphic / Shutterstock.com

Wenn erst Platz geschaffen werden muss, um ein neues Haus zu bauen, kann ebenfalls ein Statiker beauftragt werden. Christian Simlinger berechnete schon so manchen großen Abbruch von Bauwerken wie dem Kurier-Hochhaus mitten im verbauten Wiener Stadtgebiet oder der Altmannsdorfer Brücke auf der A23.

Private Bauherren sind mit einer Beweissicherungsdokumentation vor Beginn der Arbeiten gut beraten. Damit kann er sich vor unberechtigten Schadensersatzansprüchen sichern. Ein unabhängiger Sachverständiger nimmt alle Bauschäden, die bereits vorhanden sind, auf. Dies ist bei Abrissarbeiten in einer verbauten Häuserzeile (zum Beispiel in Ortskernen), bei Tiefbauarbeiten oder Rammarbeiten empfehlenswert.

Von der NÖN-Sonderjournal-Redaktion