Führt weniger Besitz zu mehr Glück?. Als Sarah Eby nach vorübergehender Obdachlosigkeit wieder eine Wohnung hatte, wollte sie so viel wie möglich besitzen: "Ich kaufte, was ich konnte, damit ich mich mehr zuhause fühlte", sagt die 27-jährige Mutter aus dem US-Staat Colorado.

Von APA Red. Erstellt am 21. Februar 2019 (14:49)
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Über die Jahre sammelte Eby immer mehr Dinge an, bis sie die Notbremse zog: Inspiriert von der japanischen Aufräumberaterin Marie Kondo entrümpelte sie ihre Wohnung und ihr Leben.

Inzwischen befolgen Millionen Menschen die Anleitung der Japanerin für ein aufgeräumteres und glücklicheres Leben. Kondos Buch "Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert" hat seit seiner US-Veröffentlichung 2014 Kultstatus erlangt. Auch die neue Netflix-Show "Aufräumen mit Marie Kondo" sorgt für Furore.

Es bleibt nur, was Freude macht

"Ich liebe das Chaos", verkündet die 34-Jährige in der Show des Streamingdienstes, in der sie mit Dolmetschern US-Haushalte besucht und die Bewohner mit ihrer geschützten "KonMari"-Methode beglückt. Die Idee ist simpel: Kondo nimmt sich mit den Bewohnern ein Stück nach dem anderen vor. Bleiben darf nur das, was Freude macht. Diese Sachen erhalten einen festen Platz in der Wohnung, der Rest wird als Spende oder Müll aussortiert.

Am Ende finden die meisten ihrer Fans, dass sie viel weniger Besitztümer, aber eine positivere Perspektive haben. "Ich war noch nie unordentlich oder dreckig - ich hatte einfach zu viele Dinge", betont Eby. "Also hat mich der Teil, die Dinge loszulassen, die mir keine Freude machen, am meisten angesprochen."

Kondo wurde fast über Nacht zur kulturellen Ikone - sie ist Thema zahlloser Tweets, Memes und Artikel, die das Programm intensiv analysieren. Doch ihre Methode ist nicht unumstritten: Mit dem Rat, alte Bücher loszuwerden, rief sie etwa Bücherliebhaber auf den Plan.

"Viele Leute denken, dass man mehr haben muss, und dass Leute im Überfluss glücklicher leben - nein. Je mehr Unordnung, desto weniger Lebenszufriedenheit."Joseph Ferrari, Psychologe

Für Den Kovacs, Journalist aus Michigan und Fan der Methode, ist Kondo mit ihrer sanften, wertfreien Art jedoch eine willkommene Alternative zu anderen, raueren Reality-TV-Formaten. "Die Leute fühlen sich vom Chaos erdrückt", sagt der 23-Jährige. "Wenn also jemand kommt und sagt 'Ich kann das in Ordnung bringen, das schaffen wir', dann sagen die Leute 'Ja, das brauche ich.'" Auch in Deutschland bieten mittlerweile Aufräum-Coaches, die nach Kondos Methode arbeigen - sogenannte KonMari Consultants - ihre Dienste an.

Nach einer Studie von 2016 kann sich zu viel Unordnung tatsächlich negativ auf das Wohlbefinden auswirken. "Das steht im Gegensatz zu dem, was die Leute vielleicht denken", betont Joseph Ferrari, Psychologe und Mitautor der Studie. "Sie denken, dass man mehr haben muss, und dass Leute im Überfluss glücklicher leben - nein. Je mehr Unordnung, desto weniger Lebenszufriedenheit."