Wie Wohnen zum Wohlgefühl wird. In den Forschungshäusern in Wopfing wird – im Rahmen eines europaweit einzigartigen Forschungsprojektes – das Zusammenwirken von Baustoffen und ihre Auswirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden gemessen.

Erstellt am 09. März 2019 (14:05)
Baumit / Franz Baldauf
2014 entstanden neben dem Baumit-Innovationszentrum in Wopfing zwölf Forschungshäuser aus Beton, aus Vollziegel, als Holz-Blockhaus und in Holzriegelbauweise mit Gipskartonbeplankung und jeweils verschiedensten Innen- und Außenbeschichtungen

Von außen ähneln sich die zwölf Häuser im Viva Forschungspark von Baumit in Wopfing wie ein Ei dem anderen. Sie sind vier mal drei Meter groß und 2,83 Meter hoch. Ein Raum ohne Trennwände und jeweils nur eine Türe und ein Fenster. Doch innen drin schaut es anders aus, denn die Wandaufbauten der Forschungshäuser sind unterschiedlich: Beton, Ziegel – mit und ohne integrierte Wärmedämmung –, Holzriegelbauweise mit Gipskartonbeplankung und ein Holz-Blockhaus.

Diese zwölf Häuser bilden auf 2.160 Quadratmetern den größten Forschungspark für vergleichende Baustoffe in ganz Europa. Seit der Inbetriebnahme im März 2015 arbeiten hier externe Wissenschafter verschiedener Fachrichtungen interdisziplinär zusammen, um zu forschen: Nicht nur, wie sich die unterschiedlichen Bauweisen bei gleichen Ausgangsbedingungen verhalten, sondern auch, welche Auswirkungen die unterschiedlichen Baustoffe auf die Gesundheit und das Wohlbefinden des Menschen haben.

Für die Computertechnik wurde eigens ein Messtechnikhaus errichtet. Pro Haus wurden 31 Mess-Sensoren installiert, die die verschiedensten physikalischen Messgrößen erfassen, um Wohlbefinden in messbare Kriterien zu übersetzen. Dabei entschied das Forschungsteam, nicht nur die Temperaturverläufe und Feuchtepufferung zu messen, sondern auch Formaldehyd, flüchtige organische Verbindungen, Gerüchte, Luftionen, Schall und Akustik sowie Radon und hochfrequente elektromagnetische Felder auszuwerten.

Aufgrund ihrer kleinen Größe musste beim Bau der Häuser absolut auf Detailgenauigkeit geachtet werden, damit auch alle Häuser gleich dicht sind. Jede kleinste Ungenauigkeit hätte massive Auswirkungen auf die Vergleichbarkeit der Messergebnisse gehabt. Drei Millionen Euro investierte Baumit alleine in den ersten beiden Jahren: „Wenn man eine Idee hat, von der alle überzeugt sind, dann muss man auch Geld in die Hand nehmen, um sie umzusetzen. Nur so kann etwas wirklich Neues entstehen, und dann wird sich so ein Projekt auch rechnen“, sagt Robert Schmidt, Geschäftsführer von Baumit.

Die seit Beginn der Messungen 2015 über fünf Millionen gesammelten und analysierten Daten spiegeln vor allem die Erfahrungen der gebäudediagnostischen Praxis der letzten 25 Jahre wider: Dämmung, massive Wände und die inneren Werte hinsichtlich des Raumklimas haben einen signifikanten Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden des Bewohners.

  • „Dämmen first“: Eine gute Wärmedämmung ist die Basis für gesundes Wohnen. Sie steigert die Energieeffizienz des Gebäudes und hält die Wände im Winter wohlig warm und im Sommer angenehm kühl. Gut gedämmt bedeutet auch, dass der Wohnraum keine Zuglufterscheinungen aufzeigt.
  • „Masse ist klasse“: Massive Wände können, vorausgesetzt sie werden von außen durch eine Wärmedämmung geschützt, im Winter Wärme speichern und im Sommer Kühle halten.
  • „Innere Werte“: Für gleichbleibende Feuchtigkeit und somit ein gesundes Raumklima sorgt ein gutes mineralisches Putzsystem, das überschüssige Feuchtigkeit aufnimmt und später wieder abgibt.