Unsere Flüsse sind von Artensterben betroffen. Laut der Naturschutzorganisation WWF Österreich müssen die verheerenden Ergebnisse der heute veröffentlichten Studie von „Global Change Biology" zum rapiden Rückgang großer Süßwasserarten als Alarmsignal wahrgenommen werden.

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 14. August 2019 (10:45)
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Symbolbild

Auch in Österreich sind Süßwasserlebensräume besonders vom Artensterben betroffen. So waren einst große Störarten in der Donau bei Wien anzutreffen. Heute schaffen es die Wanderfische aufgrund der Unterbrechung der Donau durch ein Kraftwerk nur noch bis zum Eisernen Tor an der Grenze von Serbien und Rumänien - von den sechs Störarten, die es früher in der Donau gab, gelten fünf als vom Aussterben bedroht.

Von den ehemals 31 verschiedenen Fischarten im Inn, kommen heute nur mehr 4 häufiger vor. „Die Politik darf nicht länger dabei zusehen, wie die biologische Vielfalt vor unseren Augen wegstirbt. Unsere Flüsse brauchen deutlich mehr Natur statt weiteren Verbauungen“, sagt WWF-Gewässerexperte Gerhard Egger.

Eine der Hauptursachen der Populationsrückgänge ist die starke Flussverbauung. Im Schnitt unterbricht in Österreich nach jedem Flusskilometer ein Querbauwerk den lebensnotwendigen Raum für Süßwasserarten. Von den rund 5.200 Wasserkraftwerken des Landes haben circa 70 Prozent keine funktionierende Fischaufstiegshilfe. „Angesichts des enormen Verlust des natürlichen Gewässerraums, braucht es einen umfassenden Renaturierungsplan.

Modellfälle zeigen, dass sich die Gewässerfauna durch Rückbauten nicht mehr gebrauchter Dämme, Wehren und anderer Uferbefestigungen sehr rasch regenerieren kann“, sagt Gewässerexperte Egger und fordert deutlich mehr Ambition in der Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie, wonach alle Gewässer bis 2027 in einen guten Zustand gebracht werden müssen.

„In Österreich sind 60 Prozent der Flüsse sanierungsbedürftig. Um das Artensterben in unseren Gewässern aufzuhalten, muss das Gewässerschutzbudget dringend wieder befüllt werden. Der bundesweite Fördertopf für ökologische Sanierungen wurde 2015 von 23 Millionen Euro pro Jahr auf null trockengelegt und seitdem nicht wieder befüllt. Das ist ein echter Skandal“, kritisiert WWF-Experte Egger die Untätigkeit der zuständigen Finanz- und Umweltressorts.