Was ist Eye-Tracking?. Die fachkundige Antwort liefert Ursula Haas-Kotzegger von der FH Wiener Neustadt.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 14. Mai 2021 (05:26)
Bereits im 19. Jahrhundert wurden Augenbewegungen durch direkte Beobachtung erfasst. Heute wird die Blickerfassung (engl. Eye-Tracking) unter anderem in der modernen Konsumentenforschung eingesetzt.
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Wie weit liest die Leserin den Zeitungsartikel, wohin fallen ihre Blicke zuerst bei einem Straßenplakat oder auf einer Website? Und wie schauen Kunden im Lebensmittelgeschäft? Das wird mithilfe von Eye-Tracking im Rahmen der modernen Konsumentenforschung erhoben und für Produkt- und Werbegestaltung genutzt, erklärt Ursula Haas-Kotzegger:

Ursula Haas-Kotzegger
FH Wiener Neustadt

Eye-Tracking ist eine wissenschaftliche Methode zur Aufzeichnung der Blickbewegungen eines Menschen. Vor allem im Bereich der Konsumentenforschung kommt die Methode zum Einsatz, um Kommunikationsmittel und Werbewirkung zu erforschen. Mit Hilfe von speziellen Brillen werden in einer Testumgebung - wie im Science Lab der Fachhochschule Wiener Neustadt – die Blickbewegungen von Probanden aufgezeichnet, gemessen und mit Hilfe einer Software analysiert.

Es geht im Endeffekt darum, die Aufmerksamkeitsschwerpunkte von Personen zu ermitteln, um festzustellen, wie lange Probanden bestimmte Punkte fixieren, wohin ihre Blicke gehen und wie schnell der Blick zwischen Punkten hin und her wandert. Auf Basis dieser Analyse können Empfehlungen für die Gestaltung von Werbe- und Kommunikationsmittel abgeleitet werden. Es erlaubt den Forschern, die Umgebung mit den Augen der Kunden zu sehen. Die Erkenntnisse daraus sollen helfen, die Wahrnehmung und Kaufentscheidungsprozesse von Kunden zu verstehen.

Mithilfe von Eye-Tracking werden Websites, Werbemittel, Anzeigen und auch Schaltungen im digitalen Bereich untersucht. Aber auch die Gestaltung von ganzen Geschäften im Einzelhandel oder die Platzierung von Produkten in Regalen kann damit gemessen und optimiert werden. Die Blickaufzeichnung liefert Erkenntnisse darüber, wohin der Blick der Probanden als erstes fällt, was schnell gesehen und was auch von den Betrachtern übersehen wird. Man erfährt dadurch auch, ob sich Kunden in einem Geschäft zurechtfinden und wie übersichtlich oder nicht ein Verkaufsregal gestaltet ist.