Markgrafneusiedl: Ein Dorf mit vielen historischen Artefakten

Erstellt am 16. August 2022 | 04:38
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8437009_mar32_ruine100.jpg
Die Ruine von Markgrafneusiedl: Hier sieht man das astronomische Fenster, das zur Wintersonnenwende das Sonnenlicht bündelt.
Foto: Gemeinde Markgrafneusiedl
Von der Ruine bis hin zu Ausgrabungen im Zuge der Kirchenrenovierung: Für Archäologen und Historiker ist Markgrafneusiedl eine Pilgerstätte.

440_0900_496362_noe99logo_100jahrenoe.jpg
Foto: NOEN

Die Gründung der Gemeinde wird im 11. Jahrhundert vermutet. Eine Eintragung im Klosterneuburger Gerichtsbuch als „novellum sartum marchionis“, datiert zwischen 1120 und 1129, gilt als erste urkundliche Erwähnung. Im Jahr 1231 wird Markgrafneusiedl als „de Margravin Niusidil“ bezeichnet. Das Gemeindewappen überreichte Landeshauptmann Erwin Pröll am 24. September 1994 nach intensiven Bemühungen des damaligen Gemeinderates Herbert Ciganek.

Als Wahrzeichen gilt die Ruine, deren Geschichte als mittelalterlicher kirchlicher Wehrbau im 13. Jahrhundert begann. Erst im Vorjahr gelang es der Marchfeldgemeinde, das Gemäuer mit sehr wechselhafter Geschichte zu erwerben. In den 1990er-Jahren entdeckten Archäologen dort ein astronomisches Fenster, das zur Wintersonnenwende das einfallende Sonnenlicht an der gegenüberliegenden Innenwand bündelt.

Kanalarbeiten im Oktober 1994 brachten ebenfalls eine archäologische Sensation zutage. Die gut erhaltenen Reste eines Schwertes entpuppten sich als eines von zwei Bihändern dieser Art, die europaweit bekannt sind. Die Form der Verarbeitung und des Schwertknaufes erlaubte eine Datierung auf die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der Fund ist bei der diesjährigen Landesausstellung in Marchegg zu bewundern. Einen weiteren Blick in die Vergangenheit erlaubte ebenfalls die Notgrabung im Zuge der Kirchenrenovierung. Das älteste gefundene Grab beherbergte den Leichnam von Chadold de Haslau, der 1245 geboren wurde.

Dorfkapelle mit Buntglas-Eigenanfertigung

Sehr viel jünger ist die Dorfkapelle, die am 26. Mai 2013 von Pfarrer Robert Rys geweiht wurde. Die Initiative zu dem Bau geht auf Bürgermeister Erwin Hrabal zurück.

Eigens angefertigte Buntglasfenster und die sehenswerten alten Fliesen aus der Volksschule bilden eine gefällige Symbiose. Im selben Jahr entstand auch ein Pilgerweg, der wiederum auf einer Idee des Weihbischofs Stephan Turnovsky fußt.

Ebenfalls im Jahr 2013 erwarb die Gemeinde das ehemalige Gasthaus Schöner und eröffnete in den sanierten Räumlichkeiten das „Kulturhaus“. Heute ist das Gebäude ein Schmuckstück im Zentrum des Dorfes. Im Zuge der Landesausstellung wurde dort heuer das Projekt „Genussakademie“ ins Leben gerufen. Als konkrete Nutzung sollen Kochkurse und Seminare zum Thema „Genuss im Marchfeld“ das Bewusstsein für die Vielfalt der Marchfelder Produkte steigern.

Ein großes Projekt war der Umbau der Kreuzung der beiden Landesstraßen L 2 und L 11 im Jahr 2006. Die Straße erhielt einen neuen Verlauf, Gehwege wurden verbreitert und Grünflächen angelegt. Im gleichen Jahr erfolgte der Spatenstich des ersten Betriebes im neu erschlossenen Gewerbegebiet am Areal des ehemaligen Flugfeldes.

In den 1960er-Jahren gab es ein Lichtspieltheater mit Vorführungen jeden Donnerstag, Samstag und Sonntag. Als Operateure waren damals Lorenz Prenner und Peter Purk tätig. 1975 kaufte die Gemeinde das Gebäude und baute es zu einer Leichenhalle um, die bis heute in Verwendung ist.