Greifvogelstation Haringsee: Fischotterbaby gerettet. Eulen- und Greifvogelstation Haringsee kümmert sich um bezaubernde „Bernie“

Von Redaktion NÖN.at. Erstellt am 10. September 2021 (10:18)

Langweilig wird es dem Team der von "Vier Pfoten" geführten Eulen- und Greifvogelstation Haringsee wahrlich nie: Der jüngste Neuzugang ist ein in Katzelsdorf bei Wiener Neustadt gerettetes Fischotterbaby. Anwohner eines Baches hörten vor wenigen Tagen ein jämmerliches Piepsen und dachten zunächst an einen Vogel. Nachdem es aber nicht aufhörte, suchten sie die Gegend ab und fanden das kleine Fischotterweibchen, das sie gleich „Bernie“ tauften, verlassen in der Ufervegetation. Sie informierten die Tierrettung, die das Tier nach Haringsee brachte.

„Wir schätzen „Bernie“ auf etwa sechs Wochen. In diesem Alter verlassen junge Fischotter ihre Wurfhöhle noch nicht, außer sie geraten in eine Notsituation, etwa weil ihre Mutter nicht mehr zurückkommt. Die Kleine machte uns anfangs etwas Sorgen, weil sie sich hartnäckig weigerte, die ihr angebotene Aufzuchtsmilch aus dem Fläschchen zu trinken. Mittlerweile hat sie sich angewöhnt, die Milch aus einer Schüssel zu trinken und so ihr anfänglich verlorenes Gewicht wieder aufgeholt. Seit kurzem versucht sie auch schon, feste Nahrung zu knabbern“, erzählt der wissenschaftliche Leiter der Eulen- und Greifvogelstation, Dr. Hans Frey.

Da der kleine Säugling noch viel Pflege braucht, ziehen Hans Frey und seine Frau Sigrid Bernie derzeit noch in ihrem privaten Haus neben der VIER PFOTEN-Station auf. „Sobald sie ein bisschen selbstständiger ist, kann sie aber natürlich in eines unserer Außengehege übersiedeln. Selbstverständlich ist es auch bei ihr unser Ziel, sie letztendlich in die Natur zu entlassen“, so Dr. Frey.

Streng geschützte Fischotter dürfen in Österreich getötet werden

Obwohl sie europaweit streng geschützt sind und sich viele Länder aktiv um die Wiederansiedelung der eleganten Wassermarder bemühen, werden in einigen österreichischen Bundesländern Verordnungen erlassen, die eine Tötung von Fischottern erlauben. In Niederösterreich dürfen z.B. durch eine solche Verordnung bis 2023 pro Jahr 50 männliche Tiere getötet werden. Dr. Frey erklärt, warum dies nicht nur aus Artenschutz-, sondern auch aus Tierschutzsicht mehr als problematisch ist: „In der Praxis ist es völlig unmöglich, vor der Tötung des Tieres eine Aussage über dessen Geschlecht zu machen. Daher werden mit Sicherheit auch Muttertiere getötet, die dann ihre Jungtiere als Waisen und nicht überlebensfähig zurücklassen. Junge Fischotter werden mindestens ein Jahr lang von ihrer Mutter geführt und sind ohne diese Führung dem sicheren Tod geweiht.“