Ort als Forschungs-Mekka. Österreichs erste „wind2hydrogen“-Anlage nahm kürzlich ihren Testbetrieb auf. Experten erhoffen sich signifikante Fortschritte im Bereich der Energie-Speicherung.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 27. August 2015 (06:02)
NOEN, Mauritsch
Bezirkshauptmann Martin Steinhauser, EVN-Vorstandsdirektor Stefan Szyszkowitz, Verkehrsminister Alois Stöger, Auersthals VP-Bürgermeister Erich Hofer und Landtagsabgeordnete Amrita Enzinger bei der offiziellen Inbetriebnahme der »wind2hydrogen«-Pilotanlage der OMV.

Österreichs erste „wind2hydrogen“-Forschungsanlage und europaweit überhaupt die einzige, die sich mit der Neuentwicklung eines flexiblen Hochdruck-Elektrolyseurs beschäftigt, geht in den Testbetrieb. In den nächsten eineinhalb Jahren wird erprobt, wie erneuerbare Energie in Wasserstoff umgewandelt, bei Bedarf in das Gasnetz eingespeist und wirtschaftlich genutzt werden kann.

Das Verfahren ist vielleicht noch aus dem Schulunterricht in Erinnerung. Wie OMV-Innovationsmanagerin Helga Prazak-Reisinger in einer anschaulichen Präsentation darlegte, wird – sehr vereinfacht ausgedrückt – Strom aus erneuerbarer Energie genutzt, um mittels einer Polymermembran Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zu zerlegen.

Der hochreine Wasserstoff ist mit einem Druck von 163 bar bereit für die Einspeisung in das Gasnetz, kann zur Fahrzeugbetankung genutzt oder – ganz wichtig – in Tanks gespeichert werden, wie Robert Paulnsteiner von der Gas Connect Austria auf Nachfrage der NÖN erläuterte. Energie aus Wind und Sonne wird oft nicht dann gewonnen, wenn der Verbrauch am höchsten ist. Oder überhaupt nicht, weil die derzeitige Technik für eine wirtschaftliche Speicherung der Überproduktion nicht effizient genug ist. „Ausgleich mit Kohlekraftwerken ist der falsche Weg“, so Manfred Leitner, Direktor der OMV Downstream überzeugt.

Anlage kann künftig Schlüsselrolle spielen

Im Jahr 2020 wird in Niederösterreich die Windstromproduktion laut Prognose den Verbrauch um ein Dreifaches übersteigen. Da könnte diese Anlage der Schlüssel dazu sein, erneuerbare Energie großflächig neu aufzustellen. Salopp gesagt wird in dieser Pilotanlage ausgetestet, ob man Energie „in Dosen füllen“ kann und damit die Möglichkeit zur Speicherung hat – eine der größten Herausforderungen der Energiewende, vor allem im Bezug auf kleinere dezentrale Anlagen.

Der – seinen eigenen Worten zufolge glückliche – Bundesminister für Verkehr, Innovationen und Technologie, Alois Stöger, beim Festakt: „Wissenschaft und Wirtschaft können durch enge Zusammenarbeit international wettbewerbsfähige Spitzenforschung leisten.“

Die OMV als Konsortialführerin zeichnet für Projektleitung, Einspeisung in das Erdgasnetz und die Verwertung des erzeugten Wasserstoffs in der Mobilität verantwortlich. Die Gesamtkosten betragen rund 2,8 Millionen Euro, davon stellt der Klima- und Energiefonds Förderungen im Ausmaß von rund 1,2 Millionen Euro zur Verfügung. Geschäftsführerin Theresia Vogel: „Wir erwarten von diesem Projekt einen wesentlichen Beitrag, die ambitionierten Klimaschutzziele zu erreichen.“

Als Partner fungieren die österreichische Firma Fronius für die Lieferung der hochentwickelten Technik, die EVN für die Beistellung der Stromlastprofile, die HyCentA Research GmbH für die technische Planung und den Betrieb der Forschungsanlage sowie das Energie-Institut der Johannes Kepler Universität Linz für die wirtschaftliche Bewertung und Definition aussichtsreicher Betriebsmodelle.