Straße neu in Deutsch-Wagram: Bäume weg. Grüne fordern Schadenersatz. VP-Verkehrsstadträtin verteidigt Maßnahmen.

Von Robert Knotz. Erstellt am 14. November 2019 (04:25)
Die Grünen fordern von der Strabag eine Entschädigung für gefällte Bäume in der Raphael-Donner-Gasse.
Grünen

Grünen-Gemeinderätin Bettina Bergauer ärgert sich: „In der Raphael-Donner-Gasse standen sechs Bäume. Straßenbelag und Gehsteig wurden saniert und nun sind alle weg. Der Baumkataster, der vor der Sanierung ausgedruckt wurde, wies diese als gesund und ohne nennenswerten Pflegebedarf aus.“

Betroffen von der Fällung seien unter anderen eine 43-jährige Winterlinde mit einem Stammumfang von 140 Zentimetern sowie ein 33-jähriger Walnussbaum mit einem Stammumfang von 97 Zentimetern. Für diese soll es ein Gutachten geben, wonach die Wurzeln durch die Baumaschinen derart beschädigt wurden, dass nur mehr eine Fällung empfohlen wurde. Auch andere Bäume seien einfach so entfernt worden.

VP-Stadträtin Ulla Mühl-Hittinger wehrt sich gegen die Vorwürfe.
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„Jeder gesunde und hochgewachsene Baum verbessert die Lebensqualität der Bürger unserer Stadt merkbar. Fehlende Bäume in der engen Raphael Donner-Gasse bedeuten über Jahrzehnte hinaus fehlenden Schatten, ein Aufheizen des Asphalts und stärkere Austrocknung des Erdreichs und damit höhere Temperaturen im Sommer“, so Bergauer.

"Es bestand jedenfalls Handlungsbedarf"

Recherchen der Grünen hätten ergeben, dass die beiden Bäume einen Beschaffungswert von insgesamt etwa 40.000 Euro haben. Diesen Betrag fordern die sie nun als Schadenersatz für die Stadtgemeinde von der Strabag, die die Arbeiten ausführte. Ein entsprechendes Schreiben an die Baufirma sei ergangen. „Selbst, wenn neue Jungbäume gepflanzt werden, werden die meisten Bewohner der Raphael-Donner-Gasse in ihrem Leben die Schatten spendende und kühlende Wirkung großer Bäume vor ihrem Haus nicht mehr erleben können“, schließt die Grüne.

Marianne Jakl von der Strabag verwies auf die Stadtgemeinde, mit der alle Arbeiten koordiniert worden seien.

VP-Verkehrsstadträtin Ulla Mühl Hittinger rechtfertigte die Maßnahmen: „Die Wurzeln haben nicht nur den Gehsteig und die Straße aufgebrochen, sondern durchbrachen auch die Fundamentmauern der angrenzenden Häuser.“ Es soll auch Schäden in einem Kanalanschluss durch Wurzeln, die unterirdisch die Einfriedungsmauern unterwanderten, gegeben haben, wodurch es zu Rissen in der Einfriedung gekommen sei. Mühl-Hittinger weiter: „Alle Anrainer haben diese Missstände über Jahre geduldet. Es bestand jedenfalls Handlungsbedarf.“