Ahnte Vermieter nichts von Gras?

In einem Haus im Bezirk Gänserndorf wurden 1.276 Cannabis-Pflanzen gefunden. Die Hausbesitzer gaben sich vor dem Richter aber ahnungslos.

Christian Pfeiffer Erstellt am 16. September 2021 | 05:44
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Neben den 1.276 gefundenen Cannabis-Pflanzen soll es auch schon zwischen August 2020 und Februar eine Ernte gegeben h aben.
Foto: NOEN

Am 9. Februar dieses Jahres fand in einem Einfamilienhaus in Strasshof an der Nordbahn eine Hausdurchsuchung des Landeskriminalamts aufgrund eines Hinweises der Polizei-Inspektion Hohenau an der March statt. Gefunden haben die Beamten 1.276 kurz vor der Ernte stehende Cannabis-Pflanzen, 99 Säcke mit alter Blumenerde und eine mit Verputz kaschierte Stelle im Wohnzimmer des Hauses, wo die Zuleitung zum offiziellen Zählerkasten überbrückt wurde.

Für Suchtgifthandel, dessen Vorbereitung und der Entziehung von Energie waren ein Trio vor dem Schöffensenat am Landesgericht Korneuburg angeklagt. Zum einen der „Gärtner“, ein 30-jähriger Serbe, der insgesamt 6.000 Euro für seinen grünen Daumen bekommen hatte; zum anderen die 48-jährige Hausbesitzerin und ihr 50-jähriger Ex-Partner, der das Haus in ihrem Namen vermietet hatte.

„Gärtner“ legte Geständnis ab

In seinem überschießenden Geständnis bei der Einvernahme durch die vorsitzende Richterin Xenia Krapfenbauer gestand der 30-Jährige, dass es von August 2020 bis zum Februar dieses Jahres bereits eine Ernte gegeben habe, was das Strafmaß für ihn um fünf Jahre erhöhte und seinem Verteidiger, Georg Uher, nicht mehr viel Spielraum ließ.

Gefahndet wird im Zusammenhang mit dieser Indoor-Plantage seitens Staatsanwältin Doris Demler immer noch nach zumindest einem Hintermann, den der „Gärtner“ nur unter dem Namen „Zema“ kannte.

Der vermeintliche Mieter des Hauses, ein gewisser „Peter“, wurde vom 30-Jährigen auf einem Foto als derjenige identifiziert, der gemeinsam mit einer Frau die erste Ernte eingefahren hatte. Der 50-Jährige, der im Namen seiner Ex-Frau und zum Erhalt des Hauses für ihren gemeinsamen 14-jährigen Sohn die Immobilie vermietete, erkannte den Mieter. Dieses Geflecht einer kriminellen Vereinigung zu zerschlagen, war nicht Aufgabe des Prozesses am Landesgericht Korneuburg, aber dessen Verständnis wesentlich.

Die Umstände der Vermietung brachten den 50-jährigen Physiotherapeuten in den Fokus der Ermittlungen und letztlich der Staatsanwaltschaft. „Peter“ habe immer mit einer anderen Nummer angerufen, sagte er bei seiner Vernehmung vor dem Senat. Das bedeute, dass er seinen Mieter nie von sich aus erreichen konnte. Am zehnten jedes Monats meldete sich dieser und sie trafen einander zur Übergabe der Miete im zweiten Wiener Gemeindebezirk.

Nach Mieterhöhung wollte „Peter“ raus

Erst als die Jahresabrechnung der EVN Ende 2020 eintrudelte und darin eine Nachzahlung von 1.000 Euro ausgewiesen war und die Wasserrechnung ebenfalls erheblich anstieg, weshalb sich der 50-Jährige zu einer Mieterhöhung um 250 Euro gezwungen sah, beendete „Peter“ mit März das Mietverhältnis. Alle diese Umstände seien ihm damals nicht wirklich komisch vorgekommen, meinte der Mann – zur Verwunderung von Krapfenbauer. So manches hätte ihn zwar stutzig gemacht, aber gezahlt wurde regelmäßig und auch sonst habe es keine Beanstandungen gegeben.

Klärungsbedarf sah die vorsitzende Richterin auch wegen eines Besuchs des Mannes im Haus etwa zehn Tage vor der Verhaftung im Februar. Damals habe ihn „Peter“ angerufen, weil beim Wasseranschluss in der Küche ein Leck sei. Der in dem Haus lebende 30-Jährige hatte von „Zema“ die Anweisung bekommen, den 50-Jährigen über die Terrasse des Hauses ins Wohnzimmer und von dort aus in die Küche zu lotsen. Andere Räumlichkeiten dürfe der Mann nicht betreten.

Dieser gab zu, damals schon einen leichten Cannabis-Geruch wahrgenommen zu haben, sich aber nur gedacht zu haben, dass vor Kurzem jemand einen Joint geraucht hätte, was er nicht weiter ernst nahm. Sonst habe er keine Wahrnehmungen in dem Haus gemacht und sei auch nach spätestens 20 Minuten mit der Reparatur fertig gewesen.

Die 48-jährige Hausbesitzerin war verzweifelt wegen ihrer Anklage. Sie habe lediglich die Post abgeholt, wofür man das Haus nicht betreten müsse, und keine Ahnung gehabt, was in dem Haus vor sich gehe. Warum der Mann, mit dem sie schon lange nicht mehr zusammen ist, für sie das Haus in Strasshof vermiete, wollte Krapfenbauer von der Frau wissen. Sie hatte zu der Zeit gerade die schwierigste Zeit ihres Lebens und wollte sich nicht mehr um ihre Angelegenheiten – unter anderem die Kreditraten für das Eigenheim – kümmern. Außerdem waren sich die Ex-Partner einig, dass das Haus für ihren gemeinsamen Sohn erhalten bleiben müsse.

Die Ergebnisse des ersten fünfeinhalbstündigen Verhandlungstages ließen für die Vorsitzende noch Fragen offen, weswegen der Prozess auf den 1. Oktober dieses Jahres vertagt wurde.