Letzter Flug aus Indien: Odyssee für Breitenseer. Breitenseer musste lange bangen, ob er noch aus Südasien heimkehren kann.

Von Ernst Spet. Erstellt am 01. April 2020 (05:06)
Christian Förster musste sich schriftlich damit einverstanden erklären, sich für 14 Tage in häusliche Quarantäne zu begeben.
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Der Reisepass gleicht einem prall gefüllten Terminkalender: Visa aus aller Welt kleben darin. Für den 51-jährigen Breitenseer Christian Förster sein wohl wichtigstes Dokument, ist er doch schon seit zwei Jahrzehnten rund um den Erdball ein gefragter Consulter in Sachen Museumsbau.

Förster ist gegen alle möglichen Krankheiten geimpft. Zwei Wochen, bevor in Österreich die Ausgangsbeschränkungen in Kraft traten, musste er in der Apotheke noch ein Medikament abholen.

Auf seine Frage an den Apotheker, ob er Vorkehrungen für den bevorstehenden Indien-Aufenthalt treffen solle, fragte dieser ihn, ob er schon einmal dort gewesen sei. „Mehrmals“, antwortete Förster. Des Apothekers Kommentar: „Wenn Sie Indien überlebt haben, wird Sie Corona auch nicht umbringen.“

Während es in Batna, einer Millionenstadt, etwa 1,5 Flugstunden von Neu-Delhi entfernt, eine überschaubare Anzahl an Coronafällen gab, wurde nach China immer mehr Europa zum Hotspot der Pandemie.

Kein Grund zur Sorge für Förster und seine drei Mitarbeiter – der Auftrag sollte mehrere Monate dauern. Untergebracht im Fünf-Stern-Hotel und rund um die Uhr von Sicherheitskräften bewacht, war es für ihn und sein Team eine „ganz normale Baustelle“. Vor gut zwei Wochen stiegen aber auch in Indien die Coronafälle rasant an.

Problem: Kein Flug nach Neu-Delhi zu bekommen

Der letzte von der Bundesregierung organisierte Hilfsflug war für 26. März geplant, das Problem war nur, von Batna nach Neu-Delhi zu gelangen. Zu diesem Zeitpunkt war kein Inlandflug mehr zu bekommen, und auf eine der tagelangen, abenteuerlichen Busfahrten, die in Indien jedes Jahr hunderte Todesopfer fordern, wollte sich Förster nicht einlassen. Über sein Netzwerk gelang es ihm, einen Flug in die indische Hauptstadt zu ergattern. Dieser musste natürlich großzügig finanziert werden.

Gerade noch rechtzeitig: Einen Tag vor Försters „Flucht“ verhängte der indische Premierminister Narendra Modi eine Ausgangsbeschränkung im 1,3-Milliarden-Einwohner-Land, die zwei Tage später in einigen Bundesstaaten Indiens, darunter Bihar, zu einem generellen Ausgangsverbot ausgeweitet wurde. Inzwischen gilt das Verbot im ganzen Land.

Für seine Mitarbeiter, zwei Italiener und einen Deutschen, dauert die Quarantäne in Indien währenddessen an, sie waren nicht in der glücklichen Lage, einen Rückflug in die Heimat zu bekommen – ganz besonders tragisch für einen der Italiener, sind doch seine Großmutter und sein Großvater Opfer des Coronavirus geworden.

Bei der österreichischen Botschaft in Neu-Delhi angekommen, wurden die Reisenden, großteils Österreicher, samt Botschaftsbelegschaft im Polizeikonvoi zum Flughafen eskortiert. Bis zum AUA-Flug OS 1022/080, der die Passagiere letztendlich nach über acht Stunden Flug nach Wien-Schwechat brachte, wurde bei Förster gut zehnmal Fieber gemessen.

Im Flugzeug wollten sich einige Österreicher nicht an die Schutzmaskenpflicht halten. Die Angestellten verwiesen da rauf, dass sie den Flug so nicht antreten durften, und schließlich setzten alle ihre Masken auf. Ausdrücklich bedankt sich Förster für die gute Zusammenarbeit mit der Botschaft und dem Personal der AUA, kritisiert aber zugleich, dass die Reisenden am Flughafen von der heimischen Exekutive ohne jegliche Schutzausrüstung in Empfang genommen wurden.