Aus für Tunnel: ÖVP und SPÖ schäumen

Grünen-Verkehrsministerin erteilte dem geplanten S1-Ausbau eine Absage. Nur die Umweltschützer jubeln jetzt.

Aktualisiert am 05. Dezember 2021 | 15:48
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Tunnel Symbolbild
Symbolbild
Foto: shutterstock.com/Morgan Worthington

Nach dem vorläufigen Aus für die Marchfeld-Schnellstraße S8 droht nun auch dem Ausbau der Außenring-Schnellstraße S1 mit ihrem Lobau-Tunnel das vorzeitige Ende. Verkehrs- und Umweltministerin Leonore Gewessler von den Grünen erteilte der angedachten Röhre unter der Donau eine Absage – aus Gründen des Umweltschutzes. Während sich die Umweltschützer hoch erfreut zeigen, sprechen die Tunnelbefürworter von SPÖ, ÖVP und FPÖ bereits von Klagen gegen Gewessler – allen voran Wiens SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig.

„Gewessler dreht Projekte für gesamte Ostregion ab“

Ähnlich argumentiert ÖVP-Bürgermeisterin und Nationalrätin Angela Baumgartner aus Sulz: „Gewessler dreht die lange geplanten und dringend notwendigen Infrastrukturprojekte für die gesamte Ostregion ab, ohne auch nur anzudeuten, wie die Menschen in der Region Verkehrswege und Anbindungen erhalten sollen.“


Die Dritte Landtagspräsidentin Karin Renner (SPÖ) aus Markgrafneusiedl spricht von einem „Schildbürgerstreich“, wenn ein Projekt, das seit 20 Jahren geplant wurde und bereits Unsummen an Geld verschlang, handstreichartig abgedreht werde: „Eine Verkehrsministerin sollte für die Entlastung der Pendler, Anrainer und Lieferbetriebe sorgen. Ihr zögerliches und alles verhindernde Verhalten bewirkt genau das Gegenteil.“

Auch der SPÖ-nahe Autofahrerclub ARBÖ hält die Entscheidung Gewesslers für „verantwortungslos und inakzeptabel“. „Das von der Ministerin verhängte Ende des Lobau-Tunnels ist rechtlich zu hinterfragen. Es kann nicht sein, dass eine einzelne Person das wohl am besten überprüfte Bauprojekt diskussionslos und entgegen den Wünschen der Bürger einfach beendet“, so Generalsekretär Gerald Kumnig.

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So hätte die S1 zwischen Schwechat und Süßenbrunn verlaufen soll. Unter der Donau wäre der Lobau-Tunnel errichtet worden.
Foto: Asfinag

"Werden alle rechtlichen Mittel ausschöpfen“

Auch die Freiheitlichen toben. FPÖ-Landtagsabgeordneter Dieter Dorner aus Pframa: „Die Verkehrsministerin ist in ihrer grünen Bobo-Blase gefangen. Sie hat binnen weniger Minuten den Lobau-Tunnel und die Marchfeld-Schnellstraße beerdigt. Gewessler versteht sich nicht als Verkehrsministerin, sondern erfüllt den Job einer staatlich subventionierten Klimaaktivistin.“

Es sei schlichtweg falsch, dass die Lobau unberührte Natur ist, so Dorner: „Das stimmt einfach nicht. Die Lobau ist eine vom Menschen geschaffene Landschaft, durch die drei Starkstromleitungen und zwei Gaspipelines führen.“ Zudem bliebe die Landschaft vom Lobau-Tunnel völlig unberührt.

Freude herrscht hingegen bei Umweltschützer Wolfgang Rehm aus Marchegg, dass Gewessler den „klima- und umweltschädlichen Autobahnprojekten“ eine klare Absage erteilte: „Seit Jahrzehnten zeigen wir auf, dass derartige Straßen nicht mehr gebaut werden können. Nun hat die mutigste Verkehrsministerin der Republiksgeschichte die Mühlstein-Autobahnprojekte abgesagt und damit Österreich, das bisher beim Klimaschutz versagt hat, wieder eine Zukunft eröffnet.“