Frauen in der Politik: Wenn der Ortschef weiblich ist. Politikerinnen müssen sich noch immer stärker beweisen als Männer, die Zeit der „Quotenfrauen“ ist aber vorbei.

Von Manuel Mattes, Edith Mauritsch und Nina Wieneritsch. Erstellt am 06. März 2019 (04:35)
NÖN-Archiv
Links: SP-Ortschefin Claudia Weber: „Wurde von Männern sofort akzeptiert.“; Rechts: VP-Nationalratsabgeordnete Angela Baumgartner: „Frauen müssen sich stärker beweisen.“

100 Jahre Frauenwahlrecht. Anlässlich dieses Jubiläums sprach die NÖN mit Politikerinnen aus dem Bezirk über Erfahrungen und die Zusammenarbeit mit den männlichen Kollegen.

Matzens SP-Bürgermeisterin Claudia Weber ist seit dem Jahr 2011 im Amt. Konflikte mit männlichen Kollegen sind ihr großteils fremd: „Die Zusammenarbeit funktioniert meiner Meinung nach sehr gut. Bis auf einige wenige Ausnahmen wurde ich von Männern sofort akzeptiert.“

Ob sie etwas besser oder anders mache als Männer, könne sie hingegen nur schwer beurteilen. Die Entwicklungen verfolgt sie schon länger: „Ich bin jetzt seit fast zwei Jahrzehnten in der Gemeindepolitik tätig und habe festgestellt, dass man Frauen in der Politik nicht mehr nur als ,Quotenfrauen‘ sieht.“

Quelle: Land NÖ, Abteilung Gemeinden; , Illustration: Vitaly Art/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Eine Antwort auf die Frage, was Frauen in der Politik anders machen, hat die Sulzer VP-Bürgermeisterin und seit 2017 auch Nationalrätin Angela Baumgartner: „Ich glaube, dass ich sensibler an gewisse Dinge herangehe. Man kann nicht allgemein sagen, dass Frauen oder Männer Politik besser machen. Frauen versuchen vielleicht mehr, ausgleichend zu wirken und wollen es allen recht machen. Männer gehen etwas geradliniger an die Dinge heran.“ Auch bei ihr funktioniere die Zusammenarbeit mit Männern gut. „Vielleicht liegt es auch daran, dass es nicht so viele Frauen in der Politik gibt“, mutmaßt sie. Im Vergleich zu früher würden die Frauen viel ernster genommen.

Aber: „Sie müssen sich nach wie vor mehr beweisen als Männer.“ Auch im Umgang mit Bürgern stellt sie noch Unterschiede fest: „Auf Gemeindeebene habe ich manchmal das Gefühl, dass sich manche Bürger bei einem 65-jährigen, gestandenen Mann nicht so viel herausnehmen würden.“

Derzeit gibt es im Bezirk Gänserndorf vier Bürgermeisterinnen. Neben den genannten sind dies Monika Obereigner-Sivec (SP) in Groß-Enzersdorf und Marianne Rickl (VP) aus Groß-Schweinbarth. Zudem sind sechs Vize und 37 geschäftsführende Gemeinderäte weiblich. Generell liegt der Anteil an Politikerinnen damit aber unter dem NÖ-Durchschnitt.

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