Job als Bürgermeister: Was leisten Ortschefs?. Als Oberhaupt einer Gemeinde kann die Freizeit mit einer 60-Stunden-Arbeit schon einmal eingeschränkt sein. Bürokratische Hindernisse erschweren die Tätigkeit.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 03. Februar 2020 (05:44)
Weber steht Matzen-Raggendorf seit neun Jahren vor.
privat

Welche Aufgaben hat ein Bürgermeister? Wie schaut der Alltag in den Amtsstuben aus? Und wie steht es mit der Haftung? Die NÖN hörte sich bei zwei Bürgermeistern im Bezirk um.

Matzens Listen-Bürgermeisterin Claudia Weber umreißt Aufgaben, die in erster Instanz dem Gemeindeoberhaupt obliegen: „Der Bürgermeister ist oberste Bau- und Sanitätsbehörde, ebenso erste Instanz bei feuerpolizeilichen Angelegenheiten und beim Meldeamt.“ Das heißt im Einzelnen: Sie sind Entscheidungsträger in sämtlichen baulichen Belangen – ob Neubau oder Abriss, Umbau oder Grenzverhandlungen. Das erfordert sehr oft örtliche Anwesenheit.

Dazu kommen Akutmaßnahmen bei § 36 der NÖ Bauordnung, das sind bauliche Gebrechen mit Gefahr im Verzug. Hier ist sofortiges Handeln notwendig und eine enge Kooperation mit Feuerwehr, Exekutive und Versorgern unabdingbar. Dasselbe gilt für sanitäre Notstände, die amtliches Einschreiten nach sich ziehen. Jeder Beleg muss die Unterschrift des Bürgermeisters aufweisen, ebenso wie Bescheide und Abgaben-Vorschreibungen. Und die bürokratischen Hürden werden auch nicht weniger.

Verkehrs- und Bauverhandlungen, Termine beim Land, Sitzungen mit Bauträgern oder Straßenverwaltungen und Projektbesprechungen finden tagsüber statt und erfordern ein großes Maß an zeitlicher Flexibilität. Natürlich kann man sich bei allem und jedem durch den Vizebürgermeister vertreten lassen. Dazu sind jedoch teilweise Vollmachten oder Gemeinderatsbeschlüsse notwendig. An der Haftung ändert dies allerdings nichts. Amtshaftung, persönliche Haftung mit dem Privatvermögen und strafrechtliche Konsequenzen liegen immer beim Bürgermeister.

Bürgermeister ist ein Full-Time-Job

Viel wichtiger ist aber: Der Bürger möchte den Ortschef vor Ort sehen. Weber spricht aus Erfahrung: „Die Bürger wissen, dass sie jederzeit zu mir kommen können, auch außerhalb der Sprechstunden. Wenn man es ernst nimmt, ist das Bürgermeisteramt ein Full-Time- Job.“

Der VP-Bürgermeister der Bezirkshauptstadt, René Lobner, sieht das genauso: „Ich versuche, so viel wie möglich direkt zu machen. Man ist Mediator und Beschwerdestelle, somit bin ich jeden Tag im Rathaus. Es werden annähernd 60 Stunden pro Woche sein.“ Ein hervorragendes Netzwerk und exzellente Kontakte zu den Förderstellen sind unabdingbar, um nicht wichtige Gelder für die Gemeinde liegen zu lassen. „Man muss mit Weitblick agieren, nur so ist es möglich, große Projekte umzusetzen“, so Lobner.

Zu den amtlichen Tätigkeiten kommen repräsentative Verpflichtungen. Natürlich ist jeder Gemeinderat willkommen, geadelt werden Veranstaltungen aber erst durch die Anwesenheit des Ortschefs. Ob Jahreshauptversammlungen, Ehrungen, Geburtstage, Muttertag oder Weihnachten – Freizeit mit der lieben Familie bleibt hier nur äußerst wenig.