Kampf den unnötigen Pfunden in der Fastenzeit. Was sagen die Gastronomie und die Ernährungswissenschaft im Bezirk Gänserndorf zu diesem Thema? Die NÖN hörte sich um.

Von Edith Mauritsch und Robert Knotz. Erstellt am 26. Februar 2020 (05:30)
Fastengruppe beim kargen Mahl in Pernegg. Das Kloster im Bezirk Horn war eine der ersten Einrichtungen, die auf den Fastentrend aufgesprungen sind.
Rita Newman

„Wir führen keine eigene Fasten-Speisekarte, aber zu Ostern und auch zu anderen Anlässen bieten wir Schmankerln auf speziellen Karten an“, erläutert Marchfelderhof-Chef Gerhard Bocek.

Er meint, dass ein Großteil seiner Gäste zum Schlemmen und nicht zum Fasten kommt. Der Prinzipal des Deutsch-Wagramer Promi-Speisetempels verhält sich allerdings in seinem Privatleben komplett konträr: „Ich faste das ganze Jahr über und esse fast nur Salate“, so Bocek. Der Grund dafür? „Ich habe etwas zu viel Speck auf den Rippen.“

Ernährungswissenschaftlerin Marianne Thuy aus Deutsch-Wagram: „Ich rate davon ab, erst beim Fasten mit dem Sport zu beginnen.“
Mauritsch

Ernährungswissenschaftlerin Marianne Thuy aus Deutsch-Wagram räumt mit einigen Mythen auf: „Fasten ist nicht geeignet zur Gewichtsreduzierung. Und auch Entschlackung gibt es medizinisch gesehen nicht.“ Die Ernährungsberaterin unterscheidet zwischen therapeutischem Fasten oder auch Heilfasten und präventivem Fasten für Gesunde.

Ersteres könne positive Auswirkungen auf Erkrankungen des Stoffwechsels wie Diabetes Typ 2, bei chronisch-entzündlichen und Herz-Kreislauferkrankungen haben. Dies sollte aber immer mit ärztlicher Begleitung am besten in speziellen Kuranstalten durchgeführt werden.

Die Selbstbesinnung steht im Vordergrund

Der Grundgedanke beim präventiven Fasten sei die Besinnung auf sich selbst. Am besten ist es, zuerst einen individuellen Ernährungsplan zu erarbeiten, der auch im Alltag leicht umgesetzt werden kann“, so Thuy. Eine Möglichkeit ist Intervallfasten: Man isst fünf Tage normal und fastet zwei Tage. An den Fastentagen werden nur 200 bis 500 Kalorien in Form von flüssiger Nahrung aufgenommen.

Eine weitere Variante ist die 16:8-Regel. Hier darf in einem Zeitfenster von acht Stunden gegessen werden, 16 Stunden wird gefastet. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Nahrungskarenz die Autophagie (Fähigkeit des Körpers, beschädigte Zellen zu beseitigen, Anm.) anregt. „Ich rate, dies nur an einem Tag in der Woche zu machen“, bremst Thuy damit Übereifrige ein.

Sehr leicht in den Alltag einzubauen ist eine Pause zwischen den Mahlzeiten von vier bis sechs Stunden. „In einem Zeitfenster von einer Stunde soll die jeweilige Mahlzeit eingenommen werden, dazwischen ist Essen und natürlich auch Naschen tabu“, erklärt Thuy. Kaffee ist erlaubt, allerdings ohne Zucker.

„Bei jeder Nahrungsaufnahme steigt der Insulinspiegel, die Fettverbrennung wird gestoppt“, so Thuy. Die letzte Mahlzeit sollte spätestens zwei Stunden vor dem Schlafengehen sein. Wichtig ist natürlich die Flüssigkeitsaufnahme, rund 2 bis 2,5 Liter pro Tag sollten es sein: Wasser, ungesüßte Tees und Ähnliches seien zu empfehlen.

Tabu ist Fasten bei Schwangeren und stillenden Müttern, Kindern und Personen mit Essstörungen. „Das ist definitiv kontraproduktiv“, ist Thuy überzeugt. Was sagt die Expertin zum Thema vegane Ernährung? „Das ist in Ordnung, wenn man es richtig macht. Hier ist ein Augenmerk auf die ausreichende Eiweißzufuhr zu legen.“ Wie schaut es mit Sport aus? „Wenn man bisher Sport betrieben hat, ist dagegen beim Fasten nichts einzuwenden. Ich rate allerdings davon ab, erst beim Fasten mit dem Sport zu beginnen.“

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