Kein Notarzt zu Weihnachten und Silvester

Erstellt am 30. November 2022 | 05:34
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Notarzt leistete Erste Hilfe
Notarzt
Foto: APA (Symbolbild)
Ein Mediziner und die FPÖ schlagen Alarm: Im Dezember kann ein Drittel der Notarztdienste im Bezirk Gänserndorf nicht besetzt werden.

FPÖ-Bezirksparteichef Landtagsabgeordneter Dieter Dorner schlägt Alarm: „Unser Notarztsystem ist am Zusammenbrechen!“ Ein verzweifelter Mediziner habe den Freiheitlichen kontaktiert und über die „katastrophale Situation“ bei den Notarztdiensten im Bezirk informiert: „Im Dezember kann ein Drittel der Notarztdienste nicht besetzt werden.“

Der besagte Mediziner, der aus Sorge vor Repressalien durch das Rote Kreuz und die Ärztekammer lieber anonym bleiben möchte, hat Dorner eine Kopie der Dienstpläne der Notarzt-Leitstellen Gänserndorf und Groß-Enzersdorf zukommen lassen: „Speziell über Weihnachten und den Jahreswechsel sieht es traurig aus.“

So ist zum Beispiel in Gänserndorf am 23. Dezember (Tag und Nacht) kein Notarzt im Dienst, ebenso wenig am 24. Dezember in der Nacht, am 25. Dezember untertags sowie in der Silvesternacht. Ein ähnliches Bild zeigt sich in Groß-Enzersdorf: Von 24. bis 26. Dezember ist der Tagdienst unbesetzt, am 30. und 31. Dezember sind es Tag- und Nachtdienst.

Ein Notarzt bekommt 20 Euro netto pro Stunde

Was ist die Ursache für den Notarzt-Mangel? Der Mediziner, der den Fall aufdeckt, ortet den Grund in der miserablen Bezahlung. Von den 55 Euro brutto, die ein Notarzt pro Stunde vom Land erhält, bleiben ihm nach Abzug von Steuer, Sozialversicherung und Kammerumlage etwa 20 Euro netto. Von diesem Geld muss er darüber hinaus auch die vorgeschriebenen Fortbildungen bezahlen.

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FPÖ-Bezirksparteichef Dieter Dorner: „Die Silvesternacht am besten risikominimiert im Bett verbringen.“
Foto: FPÖ

Die Argumentation von Rotem Kreuz und Ärztekammer, dass eine Vollbesetzung der Dienstpläne nicht zwingend nötig sei, weil es ohnehin den „Video-Notarzt“ und Rettungshubschrauber gebe, können der besagte Mediziner und der FPÖ-Politiker nicht nachvollziehen. Dorner: „Der Notarzt-Hubschrauber ist gerade in den Wintermonaten witterungsbedingt oft nicht einsatzfähig.“

Und der „Video-Notarzt“, der Rettungskräfte via Videokonferenz bei Einsätzen unterstützt, nutzt bei einer schlechten Internetverbindung nichts: „Dieses System kann doch einen Notarzt vor Ort nicht ersetzen.“ Dorner macht sich seit Jahren für den Bau eines vollwertigen Krankenhauses im Bezirk stark: „Da Notärzte in vielen Fällen hauptberuflich in Spitälern tätig sind, finden sich im einzigen NÖ-Bezirk ohne Krankenhaus logischerweise noch weniger Notärzte als im Rest des Landes.“

Was sagt eigentlich das Rote Kreuz selbst zur aktuellen Misere? Gänserndorfs Bezirksstellenleiter Thomas Hasenberger: „Im Gegensatz zu anderen Bundesländern bekommen Notärzte in NÖ keine finanziellen Zuschläge bei Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdiensten.“

Dies sei natürlich ein Problem. Hasenberger hofft, dass sich dies bald ändert. Würde ein eigenständiges Krankenhaus im Bezirk die Situation entschärfen? „Für jene Regionen, die Spitäler haben, ist es natürlich einfacher, die Notarztdienste zu besetzen.“