Neue Corona-Regeln: Wirtin spielt Polizei

Die Gastronomen im Bezirk Gänserndorf befürchten, dass ihre Besucherzahlen mit neuen Maßnahmen weiter zurückgehen könnten.

NÖN Redaktion Erstellt am 15. September 2021 | 05:20
Wirtin „Mitzi“ Barelli
Wirtin „Mitzi“ Barelli von Weydners Wirtshaus will sich nicht mehr schief anschauen lassen, weil sie die Maßnahmen kontrolliert.
Foto: privat

Welche neuen Covid-Verordnungen mit 15. September in Kraft treten, hängt von der Intensivbettenauslastung und der Impfbereitschaft der Bevölkerung ab. Wie blickt die Gastronomie im Bezirk den neuen Maßnahmen entgegen? Fragt man die Wirte, so bemerkt man beim Gedanken an die Zukunft bereits ein gewisses Maß an Routine, was neue Verordnungen angeht.

Wirtin Maria „Mitzi“ Barelli vom Weydner Wirtshaus in Oberweiden sagt, dass für sie die Situation als Gastronomin immer mühsamer werde. Die ganzen Verordnungen haben sie bisher viel Kraft und Personalaufwand gekostet. „Jedes Mal, wenn ich eine Veranstaltung oder eine Geburtstagsfeier mache, brauche ich zusätzlich einen Mitarbeiter – und das kostet mich viel Geld“, so Barelli.

Normalerweise arbeitet sie mit Vereinen, aber diesen ist es teilweise zu riskant, Feste zu planen und sie lassen es lieber bleiben. „Du musst dauernd Polizistin spielen für Sachen, die du nur teilweise verstehst“, ärgert sich „Mitzi“. Sie beteuert, dass sie ihre Gäste genau kontrolliere, weil sie keine Lust auf Strafen habe. Leider werde sie von den Stammgästen schief angeschaut, wenn sie genau prüft.

Kurzarbeitssystem ist  überlastet

Die Wirtin empfindet zwar, dass jeder Mensch frei entscheiden sollte, ob er sich impfen lässt, aber wenn die Wirtschaft „zugedreht“ wird wegen einiger weniger, die sich nicht impfen lassen wollen, dann verstehe sie das nicht. „Ich muss an das Wirtshaus denken und an meine Mitarbeiter. Das Kurzarbeitssystem ist definitiv schon überlastet“, meint die Wirtin.

Für die Nachtgastronomie könnten die Maßnahmen etwas schmerzhafter ausfallen. Dies spürt Wirt Andreas Hirsch von der Bar „Extremhirsch“ in Gänserndorf definitiv. „Ich habe mir schon überlegt, ob ich mit der 2G- oder der 1G-Regelung überhaupt noch aufsperren soll, denn dann wird es einfach nur ein Hobby,“ so Hirsch. Er schreibe nur noch Minuszahlen.

„Wenn mir dann mit der neuen Regelung auch noch die Hälfte aller Gäste wegfällt, weil da eben viele Ungeimpfte kommen, schaut’s schlecht aus“, so der Inhaber. Für ihn sei es immer schwieriger, alles zu durchblicken. Die Strafandrohungen findet er absurd. „Wenn man da eine Strafe aufgebrummt bekommt, kann man den ganzen Winter stehen und das zurückzahlen,“ sagt Hirsch.

Er setzt auf die Förderungen, die ihn im Falle einer Schließung über Wasser halten könnten, und plädiert dafür, sich impfen zu lassen, damit das Ganze endlich ein Ende nehme.

Robert Maywald, Wirt vom „Schlossbuffet“ in Marchegg, hält die Maßnahmen der Regierung für nachvollziehbar. „Ich selbst bin geimpft, auch zum Schutz meiner Mitmenschen“, meint Maywald. Und: „Ich warte schon lange auf einen OP-Termin, da die notwendigen Kapazitäten in den Spitälern nicht vorhanden sind. Jeder sollte das Impfangebot wahrnehmen.“

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