Sicherheit für Radfahrer: „Es gibt noch Luft nach oben“. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Fahrradanhänger, bei dem zwei Kinder starben, ist eine Debatte über das Radwegnetz in Niederösterreich entbrannt.

Von Nina Wieneritsch. Erstellt am 14. August 2019 (05:41)
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Nicht überall kann – wie es am Kamp-Thaya-March (KTM)-Radweg entlang des Grenzflusses der Fall sein wird – fernab der Bundesstraße geradelt werden. Vielfach müssen Radfahrer auf teils stark befahrene Straßen ausweichen. Wie solche Unterfangen enden können, zeigte jüngst der tragische Unfall im Bezirk Korneuburg, bei dem zwei Kinder ums Leben kamen.

Zugegeben, ein derart tragisches Ereignis ist die Ausnahme – zu gefährlichen Situationen kann es aber schnell kommen. Felix Nentwich, Obmann des Leopoldsdorfer Radclubs, meint dazu, dass jede Begegnung mit dem Autoverkehr eine potenzielle Gefahrenstelle ist. „Das sind einerseits Kreuzungen von Radwegen mit Straßen, wo Autofahrer selten die Geschwindigkeit anpassen und andererseits der Abstand, mit dem Radfahrer auf Straßen von Autofahrern überholt werden.“

 „Das Radwege-Netz in unserem Bezirk hat sich in den letzten Jahren dennoch recht gut entwickelt.“ Felix Nentwich, Radclub-Obmann

 Hier würde nur selten der gesetzliche Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Was den Bezirk betrifft, so habe sich das Radwegnetz in den vergangenen Jahren gut entwickelt. „Vor allem die überregionalen Radwege wie Donau-Radweg, Marchfeldkanal-Radweg, KTM-Radweg sind erwähnenswert“, so Nentwich.

Letzterer soll noch dieses Jahr eröffnet werden. Dieser ist zwar auch nicht durchwegs asphaltiert (der Naturschutz verbietet dies abschnittsweise), Autoverkehr wird es hier aber keinen geben. Stattdessen werden Radfahrer mit Info-Tafeln auf Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke hingewiesen – ein gutes Beispiel dafür, wie Radwege gestaltet werden können. Auch die Radbrücke in Schlosshof, die 2012 eröffnet wurde und seither die Gemeinde mit dem Nachbarland verbindet, erfreut sich großer Beliebtheit.

Sehr gut angenommen werden laut Nentwich auch die neuen Radwege zwischen Leopoldsdorf und Orth bzw. zwischen Eckartsau und Engelhartstetten.

Im Vergleich zu anderen Regionen Nachholbedarf

Davon abgesehen gebe es aber nach wie vor viel Verbesserungspotenzial – „speziell wenn man unser Radwegnetz zum Beispiel mit dem Burgenland vergleicht. Viel Aufholbedarf besteht noch in den Ortschaften, da gibt es noch sehr wenige Radwege, um die Bevölkerung für Alltagsfahrten mit dem Fahrrad begeistern zu können“, weiß Nentwich.

Diesbezüglich würde er es begrüßen, wenn die Strecken weiter ausgebaut und vor allem eigene Trassen errichtet würden. „Als Leopoldsdorfer wünsche ich mir außerdem, dass der Marchfeldkanal-Radweg besser gepflegt wird, obwohl bei uns das ganz gut funktioniert, weil ich da als Gemeinderat selbst dahinter bin“, berichtet Nentwich.

Gemeinde
Radclub-Obmann Felix Nentwich: „Wir wollen noch mehr Leute für den Radsport begeistern.“

Ein weiterer Punkt, den er nennt, betrifft die Sicherheit: „Wenn mehr Autofahrer selbst öfter Rad fahren würden, hätten sie mehr Verständnis für die Gefahren, denen ein Radler ausgesetzt ist, und würden auch mit ihrem Fahrzeug mehr aufpassen.“ Die Kfz-Lenker müssten diesbezüglich noch viel mehr sensibilisiert werden. „Im Ortsgebiet muss man als Radfahrer natürlich bei Ausfahrten und beim passieren von geparkten Autos immer besonders Acht geben, dass kein Auto aus einer Ausfahrt schiebt oder die Tür eines geparkten Pkw plötzlich geöffnet wird.“

Das Ziel sei es also, den Radverkehr von der Straße weg und hin auf eigens angelegte, asphaltierte Trassen zu verlagern. Dass das die beste Lösung ist, kann auch Nentwich bestätigen: „Am Radweg zwischen Leopoldsdorf und Orth, der direkt an meinem Haus vorbeiführt, merkt man eindeutig, dass ein asphaltierter Radweg mit eigener Trasse am besten angenommen wird.“ Vor allem Familien mit Kindern können hier nahezu gefahrenlos fahren.

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