Spaten nach Mutter geworfen: War es Absicht?. Ein 36-Jähriger soll seine Mutter schwer verletzt haben. Die Verhandlung wurde vertagt.

Von Christoph Szeker. Erstellt am 27. September 2020 (04:35)
Symbolbild
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Nach großzügigem Alkoholkonsum eskalierte eine Grillfeier im Marchfeld: Ein derzeit arbeitsloser und fünffach vorbestrafter Elektriker griff nach einem Spaten und warf diesen nach seiner Mutter. Anschließend kam es zum Gefecht, wobei die Frau Tritte hinnehmen musste. Diese Szene trug sich nach Ausführung der Staatsanwaltschaft am 24. Juli kurz vor 22 Uhr zu. Die Anklage lautet auf absichtlich schwere Körperverletzung sowie Körperverletzung.

Im Landesgericht Korneuburg bekennt sich der 36-jährige Angeklagte teilweise schuldig, bestreitet allerdings, den Spaten geworfen zu haben. Er will damit lediglich auf den Tisch, an welchem seine Mutter saß, geschlagen haben. Das Werkzeug sei dadurch weggeflogen. Im Gerangel habe er seiner Mutter anschließend eine Ohrfeige verpasst. Dieser Darstellung kann weder seine Mutter noch der als Zeuge anwesende Nachbar – er war Gast bei der Grillfeier – etwas abgewinnen: Der 36-Jährige habe mit dem Spaten auf den Tisch geschlagen und ihn dann „auf mich geschossen“, erinnert sich die Mutter.

Schläge und Tritte hätten bei ihr zu Abschürfungen und Prellungen geführt, ihren Sohn habe sie so noch nicht erlebt. Der Angeklagte rechtfertigte sich vor Gericht, dass seine Mutter sich die Abschürfungen vermutlich beim Sturz vom Sessel zugezogen habe.

Nachbar sagte aus

Der Nachbar berichtet in seiner Zeugenaussage davon, dass der Angeklagte seine Mutter beschimpft habe, ehe es zur Handgreiflichkeit kam. Er habe dann aus einem Abstand von etwa eineinhalb Metern mit dem Spaten, den der Nachbar für die Kontrolle des Grillfeuers verwendete, nach der Frau geworfen. Was dann passiert ist, konnte der Zeuge nach seiner Aussage nicht genau wahrnehmen, da es zu dunkel war. Aufgrund seiner Alkoholisierung hätte er sich nicht erheben können, um zu helfen. Auf die Frage des Richters nach der Wahrheit der Zeugenaussage antwortete der Angeklagte, dass diese falsch sei.

Wie war es eigentlich zu dem heftigen Streit gekommen? Die Frau war mit dem Sohn ihres Sohnes bei den Nachbarn, was den Sohn aufregte, weil er wissen wollte, „wieso sie mir nichts erzählt hat“. Die Mutter erinnert sich, von ihrem Sohn als „falsche Sau“ beschimpft worden zu sein. Dann ging der Streit schnell vom Wortgefecht zur körperlichen Auseinandersetzung über. Bezüglich des Alkoholkonsums besteht Einigkeit darüber, dass mehrfach Bier, Wein und Cola-Whisky konsumiert wurde, allerdings nicht über die Menge.

"Zehn bis 15 Biere sowie Wein und Whisky getrunken"

Die Mutter war nach eigener Angabe so gut wie nüchtern. Ihr Sohn erinnert sich, zehn bis 15 Biere sowie Wein und Whisky getrunken zu haben, wobei der Nachbar eine ähnlich große Menge Alkohol nannte.

Die Verhandlung wurde nach Anhörung der beiden Zeugen vom Richter auf unbestimmte Zeit vertagt, um zwei Gutachten einzuholen: Ein chirurgisches, um Auskunft über Verletzungen der Frau zu erhalten. Der Verteidiger des Angeklagten beantragte andererseits ein Gutachten über die Zurechnungsfähigkeit des Beschuldigten zur Tatzeit.