Strafarbeit für Stalker der Landeshauptfrau. Von Anrufliste gestrichen, wollte Wut-Rentner Gespräch mit Mikl-Leitner erzwingen und legte mit Telefonterror deren Büro lahm.

Von Jutta Hahslinger. Erstellt am 17. Juli 2019 (06:00)
Billion Photos/Shutterstock.com
Symbolbild

„Sie hat bei Amtsantritt geschworen, für die Bürger des Landes da zu sein. Aber alles nur Schlagworte“, lässt der heute 74-jährige Pensionist aus dem Bezirk Gänserndorf vor Gericht seinen Unmut über die NÖ-Landeshauptfrau freien Lauf.

Der Weinviertler spricht von Johanna Mikl-Leitner nur als „Maria Theresia“ oder „Madame“ und schildert sichtlich erbost seine unermüdlichen, aber bislang erfolglosen Bemühungen, einige Beschwerden der Landeschefin vorzubringen. Deshalb habe er mit Telefonterror ein Vier-Augen-Gespräch erzwingen wollen, gibt er unumwunden zu: „Es war mir klar, dass ich mit Anrufen im Minutentakt den Behördenbetrieb der Landeshauptfrau lahmlege.“

Angeklagter tat Unmut auch vor Richter kund

Eine beharrliche Verfolgung sieht er darin nicht, erklärt der Rentner im Stalkingprozess, und nützt das Verfahren als Bühne für eine ausufernde Beschwerdetirade und sagt, dass er auch weiterhin anrufen werde: „Bis ich Antworten habe. Dafür lasse ich mich auch psychiatrieren.“ Ein psychiatrischer Experte nahm den Rentner dann tatsächlich in Augenschein und er attestierte ihm beste geistige Gesundheit.

Da sich der 74-Jährige auch bester körperlicher Gesundheit und Fitness erfreut, gewährte der Richter dem bislang Unbescholtenen eine Diversion: Gegen Erbringung von 80 Stunden gemeinnütziger Leistung wird das Verfahren eingestellt.

Der Rentner akzeptiert die Strafarbeit. Die Staatsanwaltschaft ist mit einer Diversion nicht einverstanden und meldet sofort Beschwerde an.