Umgangston am Fußballplatz: Sogar Polizei war gefordert. Verband sagt „pöbelnden Zuschauern“ den Kampf an.

Von David Aichinger. Erstellt am 13. März 2019 (03:47)
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Fußball soll vor allem eines: Spaß machen! Manche Erwachsene am Spielfeldrandvergessen das oft.Shutterstock.com

Tobende Mütter, schimpfende Großväter, drohende Väter – die Umgangsformen auf den Fußballplätzen bei Nachwuchsspielen sind oft unschön und keinesfalls kindgerecht. Der Niederösterreichische Fußballverband hat das Problem erkannt und will mit einer Plakatkampagne gegensteuern. Kernbotschaft: Erwachsenen Sportplatzbesuchern soll ihre Vorbildfunktion bewusst gemacht werden.

Ein Schritt, der bei den Vereinen im Bezirk gut ankommt, denn auch hier steht – zumindest bei jenen mit größeren Jugendabteilungen – schon länger Aufklärungsarbeit im Fokus. So findet man bei Jugendspielen in Deutsch-Wagram – der ATSV betreut aktuell 169 Kinder – verteilt über die Sportanlage gleich drei große Plakate. Die Botschaft: „Es ist nur ein Spiel. Es sind Kinder. Die Trainer machen das ehrenamtlich. Der Schiedsrichter ist auch nur ein Mensch. Es geht nicht um die WM.“

Alles Punkte, die bei jenen, an die sie gerichtet sind – „liebe Eltern, liebe Zuschauer“, – oft nicht so recht ankommen, glaubt Ernst Weninger, Obmann der Jugendhauptgruppe Nord: „Sie mischen sich schon sehr viel ein, und zwar in den unteren Altersklassen, U8 bis U11.“ Ein zentrales Problem für den Verbandsfunktionär: „Alle wollen gewinnen. Der Gewinnfaktor ist ein ganz hoher.“ Für Weninger völlig fehl am Platz: „Die Ausbildung ist wichtiger. Der U7-, U8-, U9-, U10-Spieler braucht etwas anderes, als dass er gewinnt. Wenn es 0:20 steht und ein U7-Spieler schießt das 1:20 – der jubelt als hätte er den Europacup gewonnen.“

Ganz unschöne Szenen spielten sich vor rund zwei Jahren in Prottes ab: Bei einem U8-Spiel gegen Strasshof kamen sich Familienmitglieder zweier Spieler derart in die Haare, dass die Polizei anrücken musste und die Kinder verängstigt abtraten. Die Konfrontation endete glimpflich, aber mit einer Gerichtsverhandlung.

Aufgearbeitet wurde der Vorfall auf beiden Seiten mit weiteren Gesprächen. „Wir haben den Eltern gesagt, dass das nicht Gentlemen-like ist“, erzählt SV Strasshof-Obmann Rudolf Mayer: „Wir versuchen ihnen Fair Play zu vermitteln und denken uns, wenn man die Botschaft immer wieder transportiert – steter Tropfen höhlt den Stein, wie man so schön sagt.“ Auf eigener Anlage würde man zudem versuchen, alkoholisierte Zuschauer nach Hause zu schicken.

„Problemfälle“ aus dem Verein auszuschließen ist allerorts die letzte Option. Robert Prager, Jugendleiter in Prottes, weiß warum: „Das können sie in Wien machen, wo sie 200 Kinder im Nachwuchs haben. Wir können uns das nicht erlauben. Du musst versuchen, irgendwie damit umzugehen und das zu managen.“ Den Kindern selbst attestieren die Funktionäre durch die Bank Positives, auch Schiedsrichter Jürgen Schuller aus Stopfenreuth kann nicht klagen: „Ich bin einer, der sehr viel mit den Kindern redet. Das wird auch angenommen. Ich zumindest habe noch so gut wie nie Probleme gehabt.“

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