Jubiläumstournee: Harry Sokal kehrt heim. Nach 50 Jahren auf der Bühne spielt der Sax-Virtuose in Leopoldsdorf.

Von Stefan Havranek. Erstellt am 08. März 2019 (04:46)
Havranek
Harry Sokal in seinem „Schaffenszentrum“ in Breitstetten: Im Keller hat er Proberaum, Tonstudio und Hobbyraum, in dem er sich beim technischen Basteln entspannen kann.

Er ist auf über 500 Tonträgern vertreten, hat mit Jazz-Größen von A wie Art Blakey bis Z wie Joe Zawinul zusammengearbeitet, war Gründungsmitglied des „Vienna Art Orchestra“, spielte im legendären „Art Farmer Quintett“, hat mit seinen unzähligen eigenen Projekten Konzerte auf fast allen Kontinenten gegeben und ist stolz, dem legendären Miles Davies die Hand geschüttelt zu haben. Und jetzt, nach 50 Jahren auf der Bühne, gibt Harry Sokal, der seit 1989 in Breitstetten lebt, ein Jubiläumskonzert im Leopoldsdorfer Pub „Shamrock“.

Der Ehrennadelträger der Marktgemeinde freut sich besonders, zum Abschluss der Jubiläumstournee, die auch Termine beim Zwerndorfer 3er-Wirten (6. April) und im legendären Wiener „Porgy & Bess“ (7. April) beinhaltet, ein großes Konzert am 27. April in seiner Heimatgemeinde zu geben.

"Es gab nur mein Saxofon und mich"

Sokal – er wurde auch 2005 als Musiker des Jahres mit dem Hans-Koller-Preis und 2011 vom Land NÖ mit dem Anerkennungspreis für Musik ausgezeichnet – zog als gebürtiger Wiener 1984 nach Lassee, „weil ich zehn Stunden am Tag Saxofon geübt hab‘ und das war den Nachbarn dann zu viel.“ Er erinnert sich: „Damals war das mein Leben, es gab nur mein Saxofon und mich, ich hab‘ von Apfel und Suppe gelebt, hab‘ Auto gestoppt und mich als Straßenmusiker durchgeschlagen.“

Bevor es ihn ins Marchfeld zog, gab es, nachdem er den Bandcontest „Show Chance“ gewonnen hatte, auch einen Ausflug nach New York: „Ich wollte damals unbedingt nach Amerika und nachdem ich 20.000 Schilling geerbt hatte, hab‘ ich meiner Mutter gesagt, dass ich nicht mehr zurückkomme. Bis mir das Geld ausgegangen ist.“

Auf Jubiläumstournee geht er mit „Depart Refire“, seinem langjährigen Mitstreiter Heiri Känzig am Bass und dem hochtalentierten Drummer Martin Valihora. Übrigens: Mit 1. April geht Sokal als Professor an der Bruckner-Uni Linz in Pension. Was er dann vorhat? „Mehr Ausatmen und genießen – und dadurch wieder Neues schaffen.“