Umsatzrückgänge: Tankwarte zittern nun. Und: Ein Betreiber einer Waschstation fühlt sich ungerecht behandelt.

Von Johann Hochleithner, Michaela Höberth, Romana Schuler und Manuel Mattes. Erstellt am 21. April 2020 (14:01)
Im Moment arbeitet Franz Weber alleine in seiner Tank- und Poststelle in der Pulkautaler Grenzgemeinde Hadres.
Schuler

Viele Branchen wurden von der Coronakrise hart getroffen. Wie geht es eigentlich den Tankstellenbetreiern im Weinviertel?

Bei der Firma Groiss in Stockerau stehen die Geschäfte nicht still: „Natürlich nutzen weniger Pkw-Lenker die Tankstelle. Wir haben aber auch viele Tankkarten-Besitzer, außerdem fahren zahlreiche Lkw die Tankstelle an“, sagt Katharina Schneider, die für diesen Geschäftsbereich zuständig ist.

NOEN

Die Selbstbedienungs-Waschanlage darf ebenfalls genutzt werden. Und auch ein weiteres Standbein des Unternehmens wird während der Krise dringend gebraucht: Groiss ist auf den Transport von flüssigen Lebensmitteln in Tankbehältern spezialisiert. „Die Geschäfte laufen also weiter. Es gibt Unternehmen, die dringender Hilfe brauchen als wir“, so Schneider.

Bei der U2-Diskont-Tankstelle in Hadres (Bezirk Hollabrunn) kann man nicht nur tanken, sie ist auch die Poststelle der Marktgemeinde. Außerdem gibt es eine Autowaschanlage und einen überschaubaren Getränkeausschank, der bei den Dorfbewohnern als beliebter „Tratsch- Treffpunkt“ gilt. Das war so bis zum 16. März. Aufgrund der Coronakrise wurden die Öffnungszeiten verkürzt, am Sonntag ist die Tankstelle gar nicht mehr offen, der Ausschank ist bis auf Weiteres geschlossen. Wochentags ist der Zutritt zur Kassa und zur Poststelle zurzeit nur einzeln und seit Kurzem ausschließlich mit Maske erlaubt.

Umsatzeinbußen in der Höhe von 60 Prozent

Vor den Kassen wurden hohe Schutzscheiben installiert. Inhaber Franz Weber schätzt die Einbußen in seinem Betrieb auf 40 bis 60 Prozent, „wenn nicht noch mehr. Das wird sich erst in den kommenden Wochen zeigen.“ Und weiter: „Jene, die die Tankstellen von großen Ölgesellschaften gepachtet haben, haben es sicherlich noch schwerer. Ich kann zumindest den Preis selber bestimmen.“

Er hält den Betrieb jetzt im Alleingang am Laufen, seine Mitarbeiter musste er in Kurzarbeit schicken. „In den ersten beiden Wochen der Ausgangsbeschränkung hat ein reger Postversand stattgefunden, vor allem beim Paketversand. Inzwischen ist es da auch ruhiger geworden“, berichtet Weber.

Schauplatzwechsel zu einer Tankstelle im Bezirk Gänserndorf. Dort hat der Betreiber ebenfalls mit Umsatzrückgängen von etwa 60 Prozent zu kämpfen – sowohl bei den Verkäufen im Shop als auch im Treibstoffbereich. „Einzig Zigaretten und Energydrinks waren auch in der Krise sehr gefragt“, so der Pächter im NÖN-Gespräch. Die Situation habe sich seit der schrittweisen Öffnung der Geschäfte nach Ostern zwar ein wenig entspannt,
von Normalbetrieb könne aber weiterhin nicht die Rede sein. Alle Mitarbeiter hat er zur Kurzarbeit angemeldet.

„Kein Mensch kann das nachvollziehen“

In der Bezirkshauptstadt Gänserndorf selbst werden indes kritische Stimmen laut. Oliver Weghaupt betreibt eine Selbstbedienungs-Waschstation in der Haidlisse. „Kein Mensch kann nachvollziehen, wieso eine Tankstelle mit Waschanlage 20 Meter weiter offen halten darf, ich aber nicht“, ärgert sich Weghaupt. Die Benutzung seiner Waschanlage sei im Hinblick auf die Corona-Maßnahmen wesentlich sicherer als jene von an Tankstellen angeschlossenen Waschstraßen.

Dort müsse im Shop ein Bon gekauft, bei Weghaupts Waschcenter lediglich eine Münze in den Automaten geworfen werden. „Hier findet kein Kontakt mit einer fremden Person statt“, unterstreicht der Unternehmer.

Für die Reinigung „systemrelevanter Fahrzeuge“ durften Waschanlagen zwar immer geöffnet haben, was genau jetzt aber unter dieser Bezeichnung zu verstehen ist bzw. wie kontrolliert werden soll, ob ein nicht-systemrelevantes Fahrzeug die Waschanlage benutzt, habe ihm niemand so recht beantworten können.

Bezirkshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Merkatz erläutert im Gespräch mit der NÖN: „Sollte die Exekutive zur Ansicht kommen, dass ein nicht-systemrelevantes Fahrzeug dort wäscht, müssen sowohl der Betreiber als auch der Kunde mit Strafen rechnen.“

Noch ein Blick in den Bezirk Mistelbach: Bei der BP-Tankstelle in Gaweinstal kam es aufgrund der Coronakrise bisher zu einem Umsatzrückgang von etwa 70 Prozent, wie die Betreiber schätzen. Die Waschstraße warf auch nichts ab, war sie doch in den letzten vier Wochen geschlossen. Chefin Helga Brenner und Christine Reimer verrichten ihre Arbeit mit Gesichtsmasken. Es ist auch nur ein mit Plexiglas geschützter Kassaplatz geöffnet.