Polizei-Erfolg: Neun Dealern auf der Spur. Akribie, Kooperation und ein Quäntchen Glück: So konnte ein Netzwerk an Suchtgifthändlern von der Exekutive gesprengt werden. Neun Personen standen vor Gericht.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 24. Juli 2019 (05:13)
Symbolfoto: Shutterstock/Canna Obscura
Alles begann mit einer Hanfplantage in Deutsch-Wagram.Canna Obscura

Ein Zufallsfund und mehr als ein Jahr kriminalistische Arbeit mündeten in die Festnahme von neun Personen und in einen Prozess am Landesgericht Korneuburg.

Alles fing mit einem Einsatz in Deutsch-Wagram an: „Wir wurden im November 2017 zu einem Familienstreit gerufen. Dabei fiel uns der Geruch von Cannabispflanzen auf“, so die Beamten der zuständigen Inspektion. Die Suchtmittelgruppe wurde hinzugezogen.

Im Keller befand sich eine Plantage mit 350 Pflanzen. Die Stromkosten wollte man sich sparen, der Zähler wurde umgangen. Die Auswertung von DNA-Spuren, Befragung von Zeugen und langwierige Ermittlungen führten zur Ausforschung einer kroatischen Staatsangehörigen als „Gärtnerin“, die mit Unterstützung der Zielfahndung des Bundeskriminalamtes ein halbes Jahr später in Wien festgenommen werden konnte.

Bosnier ging Polizei ebenfalls ins Netz

Ein Bosnier als vermutlicher Mittäter ging aufgrund eines internationalen Haftbefehls beim Grenzübertritt von Kroatien nach Slowenien ins Netz. Bei einer Hausdurchsuchung gab es Hilfe von „Kommissar Zufall“: Ein Lageplan führte zu einer Halle in Wien, wo die Gänserndorfer Beamten mit Unterstützung des LKA Niederösterreich rund 1.300 Cannabispflanzen sowie Tagesbücher aushoben. Auch in diesem Fall wurde der Stromzähler umgangen. Der Fahndungsdruck gegenüber dem Haupttäter war schließlich so groß, dass er sich im Juni 2018 stellte. Seine Lebensgefährtin befand sich in Untersuchungshaft, Helfer wurden ausgeforscht und der Staatsanwaltschaft übergeben.

Im Oktober 2018 wurden neun Personen angezeigt. Der kriminellen Vereinigung konnte die Erzeugung von 113,8 Kilogramm Cannabiskraut-Blütenmaterial nachgewiesen werden, 16 kg davon wurden sichergestellt. Der Verkaufswert beträgt rund 1,13 Millionen Euro. Dazu kamen rund 1 kg Heroin bei einem mutmaßlichen serbischen Täter sowie 6.700 Euro an Erlösen aus Verkäufen. Den Energieversorgern entstand ein Schaden von rund 110.000 Euro.

Beim Prozess am Landesgericht Korneuburg setzte es Verurteilungen zwischen sechs Jahren und neun Monaten sowie zwölf Monaten auf Bewährung. Nicht alle Urteile sind rechtskräftig, einige Beschuldigte beriefen gegen die Strafhöhe.

„Es zeigt sich, dass Erfolge von Zufällen, aber immer von harter kriminalistischer Arbeit sowie Kooperationen zwischen den Einheiten und auch international abhängen“, so das Bezirkspolizeikommando Gänserndorf.