Top-Talent: Mit 9 von der Oper gepackt. Die 16-jährige Anja Mittermüller, die das Oberstufen-Realgymnasium in Deutsch-Wagram besucht, ist unter Gleichaltrigen die beste klassische Stimme in Niederösterreich.

Von Antonia Hotter. Erstellt am 06. August 2020 (04:05)
Sie wohnt in Oberrohrbach (Bezirk Korneuburg), besucht das BORG Deutsch-Wagram und die Musikschule in Hollabrunn: Anja Mittermüller.
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Begonnen hat alles auf einem Kindergeburtstag. Die neunjährige Anja saß in den Zuschauerreihen der Wiener Volksoper, um sich „Antonia und der Reißteufel“, eine Oper von Christian Kolonovits, anzuschauen. „Mein Mund stand offen, haben meine Freunde gesagt“, erzählt die mittlerweile 16-jährige Anja Mittermüller, die das BORG Deutsch-Wagram besucht. Die CD der Oper habe sie sich dann jeden Tag „reingezogen“, sagt sie.

Einige Jahre später kann Mittermüller bereits auf viele Erfolge als Sängerin zurückblicken. Sie war in den Jahren 2018 und 2019 Erstplatzierte beim größten österreichischen Jugendmusikwettbewerb „prima la musica“. Wenige Tage vor dem Corona-Lockdown konnte sie noch niederösterreichische Erste werden, der bundesweite Wettbewerb musste dann wegen der Pandemie abgesagt werden.

Wie aber kam Anja Mittermüller von den Zuschauerreihen auf die Bühne? Durch Gesangsunterricht und Übung, Übung, Übung. Sie besucht die Musikschule Hollabrunn, erhält Gesangs- und Klavierunterricht und hört sich jeden Tag mindestens zwei Stunden lang Opern an – am liebsten jene, die von Elīna Garanča und Julia Lezhneva gesungen werden. Der Karriereplan ist klar: Sie will auch einmal Opernsängerin werden. Ihre Stimme ist ihr Instrument und eine Erkältung ihr Feind. „Im Winter renne ich immer mit Schal herum“, sagt sie. „Dafür muss ich nicht wie andere ein Cello mitschleppen.“

Erste Erfahrungen durfte sie schon im Chor der Oper Klosterneuburg sammeln. Dieses Jahr wäre es so weit gewesen: Sie hätte ihre erste Rolle gespielt, die Kammerzofe in der Verdi-Oper „La forza del destino“: „Das ist die kleinste Rolle, die es gibt, aber für mich war es perfekt“, schwärmt Mittermüller.

Doch dann funkte Corona dazwischen, die Oper fiel vorerst ins Wasser und wird erst nächstes Jahr aufgeführt – aber wie geplant mit Mittermüller als Kammerzofe. Wenn es nach ihr ginge, würde sie aber fast immer nur Schubert singen: „Er ist eindeutig mein Lieblingskomponist.“ Warum? „Weil Schubert zaubern kann“, sagt sie, während ihre Augen leuchten.