Bezirk Gänserndorf: Droht dem Sparbuch das Aus?. Die Hypo NOE wird künftig keine neuen Sparbücher mehr ausstellen. Andere Banken zögern noch.

Von Anita Kiefer, Lisa Unterreiter, Manuel Mattes und Thomas Schindler. Erstellt am 05. Februar 2020 (04:58)
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Franz Gleiß

Die Niederösterreicher sind traditionelle Sparer, das ist bekannt. Und die traditionellste unter den Sparformen ist das Sparbuch. Den Banken aber ist das Sparbuch schon länger ein Dorn im Auge. Es braucht eigene Drucker, der Verwaltungsaufwand ist relativ hoch. Und: Sie verdienen schlicht kaum daran. Der Schritt, keine Sparbücher mehr auszugeben, sondern den Kunden Sparkonten nahezulegen, war also eine Frage der Zeit.

Förster sieht Vorteile für die Kunden

Jetzt ist es soweit: Bei der Hypo NOE wird es künftig definitiv keine neuen Sparbücher mehr geben. Das Kundenverhalten habe sich permanent und rasch geändert, begründet Hypo-Vertriebschef Matthias Förster gegenüber der NÖN diesen Schritt. Bereits existierende Sparbücher würden aber weiterhin verfügbar sein. „Neuabschlüsse werden in Form eines digitalen Sparbuchs – dem Sparkonto – abgebildet.“

Das bringe Vorteile für die Kunden: Die Behebung bei allen Bankomaten in ganz Österreich, Wege zum Schalter fallen weg, und das digitale Sparbuch kann nicht verloren gehen, zählt Förster auf.

Bei den anderen Banken ist man zurückhaltender, wie ein Rundruf zeigt. Volksbank, Erste Bank Österreich und Oberbank bieten weiter Sparbücher an.

Trotz Digitalisierung ist das Sparbuch aber durchaus noch im Rennen: Bei der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien etwa wurden 2019 exakt 178.456 Sparbücher in Niederösterreich ausgegeben. Raiffeisen werde auch in Zukunft Sparbücher ausstellen, heißt es, allerdings würden sich „Kundenbedürfnisse ändern“. Alle Banken betonen unisono, dass Online-Sparformen große Zuwachsraten verzeichnen.

Sparbuch: „Pensionisten sind nach wie vor begeistert“

Doch wie stehen Pensionisten zu der traditionellen Form des Sparens? Judith Vrbicky vom Pensionistenverein Groß-Enzersdorf schätzt die Relevanz des Sparbuchs als hoch ein. „Die Pensionisten sind nach wie vor begeistert. Natürlich könnten die Zinsen höher sein, aber die meisten Leute sind es einfach gewohnt und froh darüber, ihr Geld nicht zu Hause aufbewahren zu müssen“, so Vrbicky.

Außerdem seien andere Sparformen für die Pensionisten nicht interessant, da sie dieses lange anlegen müssten und nicht über ausreichend finanzielle Mittel verfügen, dass sich solche bezahlt machen würden. „Beim Sparbuch liegt das Geld sicher auf der Bank. Das ist dabei das Wichtigste“, behauptet Vrbicky.

Auch Sparvereinen steht sie positiv gegenüber. Solche Vereine wären zwar eine sehr alte Form, jedoch gut, um ein geselliges Beisammensein zu fördern und dabei Geld zu sparen. „Die Leute wissen einfach, dass ihnen am Ende des Monats etwas über bleibt. Dieses Geld geben sie dann sehr gerne für ihre Enkelkinder aus“, fügt Vrbicky hinzu.

Der Seniorenbund-Obmann der Ortsgruppe Gänserndorf, Herwig Baumgarten, ist überzeugt davon, dass viele ältere Menschen auf das Sparbuch setzen: „Ich denke, es sind mindestens 70 Prozent. Andere Anlageformen sind Schwankungen unterworfen, das macht vielen Angst. Aber natürlich muss man sagen: Wirklich profitabel sind Sparbücher nicht mehr.“

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