Bauern droht Enteignung wegen "Weinviertel-Leitung". Landwirte kämpfen gegen geplante Trasse von „Weinviertel-Leitung“.

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 15. Juni 2019 (14:19)
Mauritsch
Josef Heymann fühlt sich hinters Licht geführt. Aufgeben will er dennoch nicht.

Wie viel ist die Benützung eines Grundstückes im Ausmaß von rund 1.600 Quadratmetern wert? Für den Sachverständigen der Austrian Power Grid (APG) genau 3.390,60 Euro. Nicht pro Jahr, sondern für „alle ewigen Zeiten“, zusätzlicher Unbill und Einschränkungen inklusive. Jetzt laufen Enteignungsverfahren nach dem Starkstrom-Wegegesetz 1968.

Josef Heymann ist Biobauer und fährt ein Elektroauto. „Seit 2016 stehen wir in Kontakt mit der APG wegen der Trassenführung. Es wurde uns Entgegenkommen suggeriert, aus heutiger Sicht scheint das nur Hinhaltetaktik gewesen zu sein.“ Es geht um landwirtschaftliche Flächen bester Güte von zehn Grundeigentümern, die vom Ersatzneubau der „Weinviertel-Leitung“, einer 380-kV-Leitungsverbindung zwischen Seyring und Neusiedl, betroffen sind. „Wir haben eine kürzere, günstigere und verträglichere Trassenführung im flacheren Winkel vorgeschlagen“, beklagen Heymann und Karl Stradner, ebenfalls Betroffener, das mangelnde Entgegenkommen der APG.

Das Entschädigungsangebot haben sie wie die anderen Betroffenen, darunter auch die Marktgemeinde, ausgeschlagen und sehen sich nun mit Verfahren zur zwangsweisen Einräumung von Dienstbarkeiten konfrontiert. „Es handelt sich um Beregnungsflächen, die wegen der Masten nicht mehr mit Auslegerstativen befahren werden können“, erklärt Stradner. Heymann ergänzt: „Das Dienstbarkeitsangebot sieht vor, dass wir für fast alle Tätigkeiten das Einverständnis der APG benötigen. Anbauen und ernten dürften wir gnadenhalber noch.“

„Alle Betroffenen wären mit unserer Trassenführung einverstanden, ein Gutteil hätte brachen Grund der Marktgemeinde betroffen.“ Die Landwirte verstehen nicht, warum die APG auf der nunmehrigen Trasse beharrt. Zu Überspannungen kommen Stellflächen für die Masten, die laut APG rund 60 Meter hoch sind. Die Abgeltungen dafür sind zwischen 10.000 und 20.000 Euro festgesetzt.

Ein Betroffener nach dem anderen findet sich nun zu den mündlichen Verhandlungen wegen der zwangsweisen Einräumung der Rechte ein. Aufgeben wollen die „letzten Gallier“ nämlich nicht. Von der APG konnte vorerst niemand erreicht werden. Die NÖN wird natürlich weiter berichten.