Orth an der Donau

Erstellt am 09. Januar 2019, 03:00

von Stefan Havranek

Abschied: Ein Leben für die Umwelt. Nach 22 Jahren tritt Carl Manzano als Nationalpark-Direktor ab. Der NÖN gab er ein letztes Interview.

Schließt die Tür zum Nationalpark von außen: Carl Manzano geht nach 22 Jahren als Direktor des Schutzgebietes in den wohlverdienten Ruhestand. Er glaubt aber, dass er künftig mehr Zeit in der Au und an der Donau verbringen wird, als er es in seiner Amtszeit konnte.  |  Havranek

Eine Ära geht zu Ende: Wie die NÖN berichtete, wird Carl Manzano nach 22 Jahren an der Spitze des Nationalparks Donau-Auen im Februar in den Ruhestand treten und das Amt des Direktors an Edith Klauser übergeben. Für die NÖN nahm sich der Orther Zeit für ein letztes Interview in seinem Büro im Nationalpark-Zentrum schlossORTH.

NÖN: Herr Direktor, was überwiegt? Das lachende Auge, weil der Druck abfällt oder das weinende Auge, weil Sie den Nationalpark nach 22 Jahren verlassen?

Manzano: Abfallen tut zunächst einmal gar nichts (Anm. Bevor das Interview startete, hatte Manzano noch zwei dringende Telefonate zu erledigen). Mein Hauptgefühl ist Dankbarkeit, dass ich so lange in diesem Amt sein durfte und gleich danach kommt schon Wehmut. Aber ich habe auch das Gefühl, dass mir Wertschätzung entgegengebracht wird – jetzt vielleicht noch ein bisschen mehr als vorher. Aber 22 Jahre sind genug und es ist Zeit für neue Impulse. Dieser Abschluss – ich bin auch kürzlich 65 geworden – hinterlässt ein gutes Gefühl. Ich hätte ja nicht gehen müssen, schließlich hatte ich seit meinem Amtsantritt am 13. Dezember 1996 einen unbefristeten Vertrag.

Wie kam es damals eigentlich zu Ihrer Bestellung?

Manzano: Damals – 12 Jahre nach der Au-Besetzung in Hainburg – gab es eine politische Diskussion über einen Nationalpark oder ein Donaukraftwerk, die 1995 in einer Entscheidung für das Schutzgebiet endete. Involviert waren die beiden Nationalpark-Länder Wien und Niederösterreich sowie der Bund. Am 27. Oktober 1996 wurde dann der „Staatsvertrag“ für den Nationalpark unterzeichnet und auch die „Nationalpark-Donau-Auen-GmbH“ mit den beiden Ländern und dem Bund als Eigentümer unterzeichnet. Ein Modell, das jetzt öfter angewendet wird. Ich wurde damals zum Geschäftsführer dieser GmbH, weil ich als Geschäftsführer der Nationalpark-Planung seit 1987 mit dem Thema vertraut war, schon mit dem Distelverein in der Region gearbeitet hatte und auch in Orth ansässig war und bin.

„Ich war bekannt, man kam mir positiv entgegen. Man war gegen den Nationalpark, aber nicht gegen mich.“ Carl Manzano, Direktor des Nationalparks Donau-Auen

Wie war damals die Situation in der Region?

Manzano: 80 Prozent der Bürger waren gegen den Nationalpark. Es gab aber diese Entscheidung, die der Region sozusagen aufoktroyiert worden war. Allerdings war ich in der Region bekannt und man kam mir positiv entgegen. Man war gegen den Nationalpark, aber nicht gegen mich. Es war meine Aufgabe, konkrete Anliegen – vorwiegend waren es Fragen der Freizeitnutzung der Au – auszudiskutieren und Kompromisse zu finden. Dabei wurden Regelungen ausgearbeitet, die in den ersten Management-Plan, der mit 1. Jänner 1999 in Kraft trat, einflossen. Dieser war eine gute Basis, um den Nationalpark als lebendige Institution weiterzuentwickeln.

Was waren rückblickend die „Meilensteine“ der Ära Manzano?

Manzano: Dazu gehören sicher die Flussbauprojekte, Maßnahmen, um der Donau „ihre Freiheit zurückzugeben“, um eine Verlandung des Flusses zu verhindern und eine nachhaltige Ufergestaltung zu erreichen. Das waren wichtige Dinge, die auch im Ausland Beachtung gefunden haben, hier wurde sozusagen Pionierarbeit geleistet.

Ein weiterer Punkt sind sicher die Besucherangebote, die es heutzutage so zahlreich im Nationalpark gibt. Anfangs waren da zwar auch einige ausgebildete Leute – die heutigen „Ranger“ – mittlerweile existiert aber ein viel breiteres Programm an Wanderungen und Bootsexkursionen, das sehr gut angenommen wird. 2005 wurde das Besucherzentrum in Orth errichtet, 2007 kam dort die Schlossinsel dazu und das Angebot wurde später im Wiener Teil das Nationalpark-Haus Lobau ergänzt.

Und nicht zuletzt wurde das Netzwerk „Danubeparks“ von uns initiiert, in dem seit 2007 fast alle großen Donauschutzgebietsverwaltungen zusammenarbeiten. Auch hier durfte ich als Präsident fungieren und bin auch jetzt, nach meiner Ablöse noch Ehrenpräsident.

Welche Herausforderungen sehen Sie in der Zukunft?

Manzano: Ich übergebe an meine Nachfolgerin mit einem fertigen Management-Plan mit Zielen für die nächsten zehn Jahre. Die flussbaulichen Maßnahmen müssen vorangetrieben werden, das Geschiebemanagement der Donau muss institutionell abgesichert werden und es gibt weitere große Revitalisierungs- und Renaturierungspläne. Außerdem muss die Basisfinanzierung des Nationalparks langfristig geregelt werden. Seit 2001 sind die Zuwendungen nicht valorisiert worden, ihr Anteil am Gesamtbudget wird immer kleiner. Wir mussten alle Kostensteigerungen mit EU-Projekten finanzieren.

Ein großes und viel diskutiertes Thema war zuletzt die Dammsanierung.

Manzano: Ja, das läuft im Moment gut. Erstens gibt es klare Regeln der Behörden, zweitens wurde die ökologische Kompetenz bei den Ausführenden verbessert und drittens ist seit dem Frühjahr ein Nationalpark-Mitarbeiter aktiv in das Baugeschehen eingebunden. Es gibt also hier ökologisch bessere Lösungen, die auch Kosten sparen.

Abschließend: Wie werden Sie Ihren Ruhestand anlegen?

Manzano: (lacht) Ich werde sicher mehr Zeit in der Au und an der Donau verbringen als jetzt. Ich bleibe auch sicher in meinem Haus in Orth, denn ich lebe sehr gern hier. Ich bin dem Nationalpark weiterhin sehr verbunden und werde auch meiner Nachfolgerin mit Rat und Tat zur Seite stehen. Und ich werde beispielsweise weiterhin Spaziergänger zurechtweisen, die mit ihren Hunden ohne Leine im Nationalpark spazieren gehen.