Paradies für seltene Bienenarten geschaffen. Am Drösinger Liliensee sollen verschiedenste Bienenarten ein neues Zuhause finden. Auch Gartenbesitzer können durch den Anbau von Wildkräutern und Blumen den kleinen Wesen helfen.

Von Vera Coursolle. Erstellt am 01. September 2021 (05:04)

Die Vorstellung der neuen Wildbienenfläche am Drösinger Liliensee durch SPÖ- Bürgermeister Josef Kohl sowie Dominique Zimmermann und deren Projektmitarbeiterin Sabine Schoder vom Naturhistorischen Museum (NHM) zog etliche Interessenten an.

Nur die Bienen verpassten ihren großen Auftritt. „Wegen des eher trüben Wetters und mangelnden Sonnenscheins ließen sich nur wenige Exemplare blicken“, erklärte Schoder den Anwesenden. Die beiden Expertinnen des NHM führten über das Terrain und demonstrierten die verschiedensten für die Wildbienen errichteten Lebensräume.

Je nach Gattung hatte man hier zahlreiche Nistplätze geschaffen. So wurden Steilwände aus mit Lehm-Sandgemisch gefüllten Ziegeln erbaut, der bevorzugte Lebensraum einiger Arten, wie z. B. der Buckelseidenbiene, sowie Sandbereiche wurden freigelegt – diese sind bei Dünen-Pelzbienen sehr beliebt, stellen sie doch typische Vertreter der sandliebenden Arten dar.

Wildbienen sind auf spezielle Blütenpollen fixiert

Man schuf Totholzstellen, welche vor allem von Mauerbienen, Blattschneiderbienen und Holzbienen besiedelt werden. Von großer Wichtigkeit ist das ausreichende Angebot bienenfreundlicher und regionaler Pflanzen, so säte man hier Wildkräuter und spezielle Blumensamen von der nahe gelegenen Naturschutzfläche aus, denn „mehr als 30 Prozent der in Mitteleuropa vorkommenden Wildbienenarten sind auf spezielle Blütenpollen fixiert“, erklären die Bienenkennerinnen während der gemeinsamen Runde. Die vielen anschaulichen Schautafeln mit Bild und Text informieren über vorkommende Arten und Lebensweisen.

Dünenlandschaft beherbergt seltene Steppen-Harzbiene

Auslöser des Vorhabens war ein im Jahre 2019 abgeschlossenes Forschungsprojekt des Naturhistorischen Museums Wien. Die Flugsandgebiete des Marchfelds als einer der letzten Reste einer ausgedehnten Dünenlandschaft zählen zu den in Österreich am stärksten gefährdeten Lebensräumen. So entdeckte man im Rahmen der Studien in den Sandbergen Drösings die Steppen-Harzbiene, die in Österreich bisher erst ein einziges Mal gesichtet wurde.

Auch die Grabwespenart „Bembicinus hungaricus“ hat in Drösing österreichweit ihren einzigen Lebensort. Kohl erfuhr von der Besonderheit des Standorts rein zufällig durch einen Zeitungsartikel und wandte sich an das NHM. Gemeinsam wurde das Projekt gestartet und umgesetzt. Finanzielle Unterstützung gab es auch von ARCOTEL-Hotels über deren Initiative „Give Bees a Chance“.

Bienen lieben Thymian, Majoran, Wilder Salbei, Glockenblumen und Malven

Um selbst etwas zur Förderung der Wildbienenpopulation zu unternehmen, raten die Spezialistinnen zum Anpflanzen von Wildkräutern wie Thymian, Majoran, Wilder Salbei, Glockenblumen und Malven oder zum Bereitstellen von Nisthilfen, z. B. mit Lehmsand befüllten Ziegeln.

Trockene Harthölzer in wind- und wettergeschützter Lage, die an den Seitenflächen angebohrt sind (Lochdurchmesser 2 bis 10 mm, Tiefe 10 bis 15 cm) bzw. das Anlegen eines „Sandariums“, eines kleinen Sandhaufens gemischt mit Erde oder Lehm, unterstützen die kleinen Wesen ebenso.