Verwaistes Fischotterbaby von Spaziergängerin gerettet

Erstellt am 01. Dezember 2022 | 08:57
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Der kleine Fischotter "Rudi" hat großes Glück gehabt: Eine Spaziergängerin wurde in Bad Pirawarth auf das verwaiste Fischotterbaby aufmerksam, weil es laut weinte.

Am 22. November entdeckte ein Spaziergängerin in der Nähe eines Baches in Bad Pirawarth ein Fischotterbaby. Sie verständigte den zuständigen Jagdleiter, der das Tier daraufhin zu einer Tierärztin brachte. Diese wiederum brachte Rudi gleich in die von Vier Pfoten geführte Eulen- und Greifvogelstation Haringsee, wo der Kleine nun liebevoll aufgepäppelt wird.

„Rudi war extrem erschöpft und sehr hungrig. Das Fläschchen mit der Welpenmilch hat er sofort akzeptiert und brav getrunken. Als wir ihn übernahmen, hat er nur einen Kilogramm gewogen, mittlerweile hat er aber schon 250 Gramm zugenommen“, berichtet Tierarzt Dr. Hans Frey, der wissenschaftliche Leiter der EGS Haringsee.

Warum Rudi allein war, ist nicht klar. Normalerweise haben Fischotterweibchen zwei bis drei Junge pro Wurf.

Baustelle könnte Grund für Trennung von Mutter sein

„Wir haben an der Fundstelle noch mal extra nachgesehen, haben aber keinen Fischotter-Bau entdeckt. An der Stelle des Baches in Bad Pirawarth, wo wir die meisten Otterspuren gefunden haben, ist allerdings gerade eine Baustelle mit großen Baggern und viele Lärm. Rudi wurde ein Stück entfernt gefunden. Dass er die Strecke alleine gelaufen ist, können wir ausschließen; dazu ist er noch zu klein. Möglicherweise wollte die Mutter mit ihren Jungen weg von der Baustelle und hat Rudi dabei verloren. Und dann traute sie sich vielleicht nicht mehr zurück“, so Dr. Frey. Sobald Rudi wieder bei Kräften ist, wird er in die Wildnis entlassen werden.

Obwohl sie europaweit streng geschützt sind und sich viele Länder aktiv um die Wiederansiedelung der eleganten Wassermarder bemühen, werden in einigen österreichischen Bundesländern Verordnungen erlassen, die eine Tötung von Fischottern erlauben.

Pro Jahr dürfen 50 männliche Tiere getötet werden

In Niederösterreich dürfen z.B. durch eine solche Verordnung bis 2023 pro Jahr 50 männliche Tiere getötet werden.

Dr. Frey erklärt, warum dies nicht nur aus Artenschutz-, sondern auch aus Tierschutzsicht mehr als problematisch ist: „In der Praxis ist es völlig unmöglich, vor der Tötung des Tieres eine Aussage über dessen Geschlecht zu machen. Daher werden mit Sicherheit auch Muttertiere getötet, die dann ihre Jungtiere als Waisen und nicht überlebensfähig zurücklassen. Junge Fischotter werden mindestens ein Jahr lang von ihrer Mutter geführt und sind ohne diese Führung dem sicheren Tod geweiht.“