Ärger über Obdachlose im Waggon. Obdachlose nutzen abgestellte Waggons nachts als Schlafplatz. ÖBB plant nun Kontrollen.

Von Michaela Fiala. Erstellt am 06. März 2019 (06:00)
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Sie haben keine Unterkunft, können Körper und Gewand nur selten waschen und ertränken ihre Verzweiflung oft in Alkohol: Obdachlose. Bahnfahrer sind frühmorgens mit dem Elend konfrontiert.

Alexander M. (Name von der Redaktion geändert) pendelt seit vielen Jahrzehnten mit dem ersten Zug um 4.57 Uhr in der Früh von Gänserndorf zu seiner Arbeitsstelle in Wien. In letzter Zeit plagt ihn aber bereits nach dem Einsteigen in den Waggon starke Übelkeit. Der Frühaufsteher klagt: „Seit einigen Monaten übernachten Obdachlose in den am Bahnhof abgestellten Zügen. Kurz vor der Abfahrt der ersten S-Bahn werden die Landstreicher von ÖBB-Securitys geweckt und müssen die Waggons verlassen.“

Was im Abteil zurückbleibe, sei der unerträgliche Gestank nach Alkohol, Urin, Schweiß und Erbrochenem. Es gebe Hilf- und Ratlosigkeit auf allen Seiten. Alexander M. ersucht die ÖBB nachdrücklich, sich der Wohnungslosen am Gänserndorfer Bahnhof anzunehmen. Waggons könnten nicht als Notübernachtungsplätze dienen, die beißende Geruchsbelästigung sei für die Bahnkunden mit einem gültigem Ticket einfach nicht zumutbar.

"Werden uns die Situation in nächster Zeit genau ansehen"

ÖBB-Sprecher Christopher Seif nimmt die Beschwerde ernst und erklärt: „Wir werden uns die Situation in Gänserndorf in der nächsten Zeit genau ansehen und gegebenenfalls Kontrollen vor Ort einsetzen. Fahrten oder Nächtigungen von Obdachlosen können leider nie ausgeschlossen werden.“

Es gebe schwerpunktmäßige Überprüfungen der von Wien ausgehenden Abendzüge in das Umland, um die Nächtigung in den Hinterstellbahnhöfen zu verhindern. Die Mitarbeiter würden die dabei aufgegriffenen Unterstandslosen bereits in der Bundeshauptstadt an Hilfsorganisationen übergeben. Das eigentliche gesellschaftliche Problem könne damit aber natürlich nicht gelöst werden.

Seif ergänzt: „Beschwerden zum Thema Geruchsbelästigung, betteln und verwahrloste Personen werden laufend evaluiert. Dazu werden überdies noch die täglichen Meldungen der Lokführer und Zugbegleiter herangezogen.“ Es gebe seitens der ÖBB insbesondere in den Wintermonaten abgestimmte Abläufe: Im Falle einer Verunreinigung müssten die Cleaning-Mitarbeiter eine vereinfachte Kleinreinigung inklusive Spray zur Geruchsbeseitigung versuchen. Bei starker Verunreinigung müsste schlimmstenfalls ein Zug auch einmal ausfallen.

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