Alte Synagoge bleibt vorerst: Denkmalschutz bestätigt

Erstellt am 30. November 2022 | 04:33
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Historikerin Ingrid Oberndorfer bei der diesjährigen Novemberpogrom-Gedenkstunde in Gänserndorf, an der unter anderem auch die Grünen teilnahmen.
Foto: Grünen
Das einstige Gebetshaus in Gänserndorf darf weiterhin nicht abgerissen werden.

Der Streit über die Zukunft der ehemaligen Synagoge auf der Gänserndorfer Bahnstraße (die NÖN berichtete) ist vorerst entschieden: Das desolate Gebäude – es steht seit 2018 unter Denkmalschutz – darf auch weiterhin nicht abgerissen werden. Dies bestätigte das Bundesdenkmalamt in einem aktuellen Schreiben an Ingrid Oberndorfer, die für den Erhalt des einstigen Gebetshauses kämpft.

Restlos zufrieden kann die Historikerin aber noch nicht sein. Grund: Ein Verfahren zu diesem Thema ist noch beim Bundesverwaltungsgericht anhängig, nämlich jenes über die Beschwerde der Gemeinde Gänserndorf gegen die Unterschutzstellung der ehemaligen Synagoge und des dahinter liegenden Rabbinerhauses.

Zur Erinnerung: Die Gemeinde hatte beschlossen, die alten Gebäude zu schleifen. Seit Jahren gibt es einen gültigen Abbruchbescheid. Durch die Entfernung der beiden Häuser will die Stadt Raum für Parkplätze schaffen.

Historikerin und Grüne laufen gegen Plan Sturm

Gegen diesen Plan laufen nicht nur Oberndorfer und ihr Verein „Freunde von Jüdischer Geschichte und Jüdischen Friedhöfen“ Sturm, sondern auch die Grünen. Bezirkschefin Stadträtin Beate Kainz: „Die Kombination aus Synagoge und Rabbinerhaus war früher üblich, ist aber mittlerweile nur noch in Gänserndorf erhalten.“ Somit handle es sich um ein wichtiges kulturelles Denkmal. „Würdigen, erhalten und sinnvoll nutzen – das ist die einzige mögliche Antwort“, betont Kainz.

Auch Oberndorfer will sich weiter für den Erhalt der beiden Gebäude einsetzen, bis alle Beschwerden gegen den Denkmalschutz abgewiesen wurden: „Österreich ,rettete‘ das Geburtshaus von Adolf Hitler vor dem Verfall, aber die letzten jüdischen Kulturgüter in NÖ will man zerstören. Wie dringend wir Lehr- und Bildungshäuser brauchen, sieht man allein an diesem Vorgehen.“

Die Historikerin abschließend: „Ich bin der Meinung, dass Österreich mit seiner mehr als 1.000-jährigen jüdischen Geschichte eine große Verantwortung hat – besonders beim Erhalt und Schutz von jüdischen Kulturgütern.“