Wirbel um Tagesklinik: „Sperrt doch die Bude zu!“ . Nachdem verletzte Pensionistin nicht behandelt wurde, tobt ihr Sohn. MZG weist die Kritik zurück.

Von Thomas Schindler. Erstellt am 05. August 2020 (03:48)
Sie polarisiert seit ihrer Eröffnung im Jahr 2002: Die Gänserndorfer Tagesklinik.
Schindler

Robert Binder aus Angern ist echauffiert: Nachdem seine 77-jährige Mutter gestürzt war, brachte er sie am Dienstag der Vorwoche gegen 18.30 Uhr in die Gänserndorfer Tagesklinik. Eine Hand der Pensionistin war stark geschwollen und schmerzte. „Wir wussten nicht, ob sie gebrochen war“, erinnert sich der Sohn. Im MZG (Medizinisches Zentrum Gänserndorf), wie die Tagesklinik korrekt heißt, sei die Frau aber nicht behandelt worden.

Binder: „Man sagte uns, dass es zu spät für eine Untersuchung sei, weil das MZG um 19 Uhr schließe.“ Daraufhin fuhr der Angerner zum praktischen Arzt nach Ollersdorf. Dieser meinte, dass man die verletzte Hand vorerst kühlen sollte. Der Mediziner riet, am nächsten Tag ein Krankenhaus aufzusuchen. Binder fuhr mit der Mutter am Mittwochvormittag wieder in die Tagesklinik. Dort wurde die Hand geröntgt – sie war zum Glück nicht gebrochen, aber stark geprellt.

„Daheim bemerkte ich, dass das Coolpack, das wir der Mutter am Vorabend zu Hause um die Hand gewickelt hatten, verschwunden war.“ Binder rief sofort im MZG an: „Die sagten mir, dass sie das Coolpack weggeworfen hatten.“ Dies brachte das emotionale Fass des Angerners zum Überlaufen: „Die können doch nicht einfach fremdes Eigentum wegwerfen.“ Von der Tagesklinik habe man Binder zwar ein „gewöhnliches Coolpack“ als Ersatz angeboten, seines soll aber qualitativ besser gewesen sein.

„Die zweite Frechheit ist, dass wir um 18.31 Uhr nicht mehr behandelt wurden. Warum steht 19 Uhr auf der Tür? Dann sollen sie draufschreiben, dass um 18.30 Uhr oder 18 Uhr gesperrt wird“, ärgert sich der Angerner. Für Binder ist die Tagesklinik absolut wertlos: „Am besten wäre, man sperrt die Bude zu und macht eine Eislaufhalle daraus. Da hätten die Bürger mehr davon.“

Im MZG kann man die Aufregung nicht nachvollziehen: „Laut mitgebrachter Überweisung der praktischen Ärztin war die Verletzung bereits zwei Tage alt. Als Mutter und Sohn eintrafen, warteten bereits weitere Patienten auf eine unfallchirurgische Versorgung.“ Deshalb habe man den Binders angeboten, die Begutachtung und Verordnung von Schmerzmedikamenten durch die praktische Ärztin zu organisieren. Dieses Angebot soll jedoch abgelehnt worden sein.

Das MZG weiter: „Am Folgetag wurde die Patientin bei uns unfallchirurgisch versorgt. Im Rahmen der Begutachtung wurden der Verband sowie das Coolpack entsprechend den hygienischen Standards entsorgt.“ Ein ersatzweise angebotenes, äußerst hochwertiges und für den klinischen Einsatz geeignetes Coolpack habe Robert Binder abgelehnt, heißt es in der Stellungnahme der Tagesklinik.