Verteidiger wurde nach 3G-Frage aggressiv

Erstellt am 01. Oktober 2021 | 05:57
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Aufgrund der mehrfachen Diskussionen während des Prozesses musste die Gerichtsverhandlung schließlich vertagt werden. Symbolfoto: Shutterstock/ Andrey Popov
Foto: Shutterstock/ Andrey Popov
Beim Prozess am Landesgericht Korneuburg gegen zwei Drogenkäufer aus Gänserndorf entstanden zwischen dem Richter und dem Rechtsanwalt mehrere Diskussionen über die geltenden Maßnahmen.

Zu erwarten war eine eher unspektakuläre Verhandlung am Landesgericht Korneuburg im Fall von zwei jungen Gänserndorfern, die mit Cannabis und Kokain gedealt haben sollen und sich grundsätzlich geständig zeigten. Aber schon bei der inzwischen obligatorischen Frage von Richter Rainer Klebermaß nach der Erfüllung einer der 3G-Regeln, um während des Prozesses die Maske abnehmen zu können, wurde diese Hoffnung zunichtegemacht.

Gottfried Hudl, Verteidiger des Zweitangeklagten, antwortete auf die gestellte Frage nämlich nur mit dem Wort „gesund“. Das Amüsement über dieses vermeintliche vierte „G“ teilte der Richter klarerweise nicht.

Er forderte Hudl auf, die Maske aufzubehalten, was diesen zuerst zu einem formalen Protest gegen den Mund-Nasen-Schutz veranlasste. Das ging schließlich so weit, dass Hudl nach einer kurzen Diskussion über die verpflichtende Protokollierung in Bild und Ton den Tonfall von Richter Klebermaß mit den Worten „Reißen Sie sich z’samm“ kommentierte. Das sollte nicht die letzte Diskussion der beiden bleiben, weshalb die eigentlich nur für 45 Minuten anberaumte Verhandlung stark in die Länge gezogen wurde.

Tatsächlich ging es in der Anklage durch Staatsanwalt Friedrich Köhl um Drogenkäufe in erheblicher Menge durch die zwei 20-Jährigen in Hollabrunn.

Zeitgleich war auch ihr Dealer vor Gericht

Die Anklage gegen den verwickelten Dealer der beiden wurde zufälligerweise parallel am Landesgericht Korneuburg von Richter Franz Furtner verhandelt. Allerdings blockierte diese Parallelität die jeweils andere Verhandlung, denn im Prozess von Klebermaß war der Dealer als Zeuge vorgesehen und im anderen Verfahren waren es die beiden Angeklagten.

Nichtsdestotrotz setzte Klebermaß das Verfahren mit den Beschuldigten-Einvernehmungen fort. Der Erstangeklagte, der wenige Tage vor seinem Prozess eine Stelle als Praktikant gefunden hatte, gestand, den Dealer während seiner Schulzeit im Herbst 2019 in Hollabrunn kennengelernt zu haben. Der 20-Jährige steigerte seine tägliche Dosis Gras auf bis zu zehn Gramm. Daraufhin dauerte es nicht lange, bis der junge Mann auf die Idee kam, sich seine eigene Sucht mit einem teilweisen Weiterverkauf der Droge zu finanzieren.

Mit dem Hollabrunner Dealer, der selbst gemeint hatte, „ich verkauf’ keine Kleinigkeiten“, blieb der 20-Jährige auch noch nach seinem Umzug nach Gänserndorf in Kontakt. Sein Freund, der ebenfalls angeklagte 20-jährige Elektriker, kam Ende des Jahres 2020 bzw. im Jänner dieses Jahres zu den Drogengeschäften dazu.

Die beiden hätten gemeinsam eingekauft, aber dann getrennt weiterverkauft. Bei seiner Einvernahme durch Klebermaß gab es auch schon die nächste Überraschung. Die Liste, die er der Polizei nannte, die sowohl seine Kunden als auch die exakten Liefermengen und entsprechenden Substanzen birgt, sei erfunden.

Diese Aussage und die Tatsache, dass die anberaumte Zeit für die Verhandlung bereits überschritten war, veranlasste Klebermaß dazu, die Verhandlung auf den 18. Oktober zu vertagen. Die „exzessive Fragestunde“ des Verteidigers Hudl beim Erstangeklagten sei auch mitverantwortlich, dass der Prozess an diesem Tag nicht abgeschlossen werden konnte.

„Immer sind die Anwälte schuld“, empörte sich Hudl erneut und kündigte an, sein Mandat zurückzulegen: „Für so ein korruptes System arbeite ich nicht mehr.“ Auf Nachfrage des Richters schien dies dann doch nicht mehr so unumstößlich, weshalb dieser um Bekanntgabe bis 1. Oktober bat.