René Lobner: „Wir überlegen eine Klage“. Gänserndorfer Herbert Tatzber will Umfahrung statt Schnellstraße. Indes wird Klage gegen Ministerin geprüft.

Von Sandra Frank. Erstellt am 21. Juli 2021 (05:59)
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Bürgermeister René Lobner hält an Realisierung von S8 fest.
ÖVP

„Es kommt ein wenig scheinheilig daher, wenn Herr Lobner vehement die Autobahn fordert, wo doch die Gemeinde wesentlicher Verursacher der rasanten Verkehrszunahme ist“, ärgert sich Herbert Tatzber aus Gänserndorf-Süd über die Aussagen von ÖVP-Stadtchef René Lobner.

Der setzt sich nämlich, mit den anderen Marchfeld-Bürgermeistern, für die S8, die Marchfeld-Schnellstraße, ein. Zur Erinnerung: Deren Planung und Bau liegt derzeit auf Eis, weil Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Die Grünen) Schnellstraßen-Projekte stoppte – zumindest bis Herbst –, um diese zu evaluieren. Im Bezirk sind die S1 (Außenring-Schnellstraße) und eben die S8 betroffen.

Zersiedelung durch den Zuzug als Kritik

„Wenn er sagt, ich bin scheinheilig, dann sage ich, er ist ahnungslos“, meint der Stadtchef zu Tatzbers Kritik. Dieser wirft der Stadtgemeinde nämlich auch vor, dass die Zersiedelung durch den Zuzug befeuert werde, und fragt sich, was Gänserndorf habe, dass noch mehr Grünflächen verbaut werden.

Genau das stimme nicht. Die Stadtgemeinde sei bemüht, den Wohnbau im Zentrum zu verdichten, um eben einer Zersiedelung Einhalt zu gebieten. In Gänserndorf-Süd dürften auch kein Wohnbauten, sondern nur noch Einfamilienhäuser errichtet werden. Und: Dort wo Gänserndorf gewachsen sei, sei die Infrastruktur bereits nachgezogen: Volksschulen und Kindergärten wurden vergrößert oder neu gebaut. „Es wird weiterhin ein Wachstum geben“, ist der Stadtchef überzeugt.

Außerdem: In den öffentlichen Verkehr sei ebenfalls einiges investiert worden – und das geschehe weiterhin. „So wurde der Bahnhof modernisiert, die S-Bahn fährt mittlerweile bis Marchegg, es gibt Fahrtendienste, z. B. das Marchfeld Mobil“, zählt Lobner auf.

„Es ist sozialromantisch zu glauben, dass man jeden kleinen Ort mit öffentlichem Verkehr im Fünf-Minuten-Takt erreichen können wird“, meint er. Dort brauche eine Familie mit Kindern eben ein Auto, um die Einkäufe zu erledigen.

Lobner hält an seiner Philosophie fest: „Damit liegen wir goldrichtig: Das Zentrum verdichten und zielorientiert für die Gänserndorfer arbeiten.“

„Die Ministerin hat uns im Stich gelassen“

Und dazu brauche es eben auch die Marchfeld-Schnellstraße S8. „Wir überlegen eine Klage gegen den Bund und die Ministerin“, erzählt der Landtagsabgeordnete von seinem letzten Treffen mit den Marchfeld-Bürgermeistern.

Es werde gerade geprüft, ob rechtliche Schritte notwendig seien. „Jeder, der in den vergangenen Jahren hierher gezogen ist, tat das in dem Glauben, dass die S8 gebaut wird“, betont Lobner, dass die Schnellstraße sogar im Bundesstraßengesetz verankert sei. Sie müsse also gebaut werden.

Stromtankstelle und Park&Ride-Anlange wurden blockiert

„Die Ministerin hat uns im Stich gelassen und den Weg der Gemeinsamkeit verlassen“, ärgert sich Lobner. Nicht nur, dass Gewessler nicht zu einem Gespräch bereit sei: Der Bahnhof werde barrierefrei gemacht, „dort auch eine Stromtankstelle zu errichten, war aber unmöglich“, erinnert sich Lobner, der dort gern eine gehabt hätte.

Die neue Park&Ride-Anlange wollte die Gemeinde mit einer Photovoltaikanlage ausstatten. „Geht nicht“, spricht der Stadtchef von unüberwindbaren – und für ihn unverständlichen – Hürden, die aus dem Verkehrsministerium kommen.

„Sie sollte einmal herkommen, damit sie die Realität sieht.“ Denn der ständige Stop-and-go-Verkehr entlang der B8 sei für die Anrainer, die Autofahrer und die Umwelt eine große Belastung.

Ortsumfahrungen könnten seit 20 Jahren in Betrieb sein

Tatzber führt in seinem Schreiben Ortsumfahrungen als praktikable Lösungen an, sie würden weniger Fläche verbrauchen und „könnten schon seit 20 Jahren in Betrieb sein, wenn die Politik nicht auf diese unnötige Autobahn gesetzt hätte“, ist er überzeugt.

Hier hält Lobner dagegen: „Um Strasshof kann gar keine Umfahrung errichtet werden.“ Diese würde durch ein Vogelschutzgebiet führen. Wird großräumiger umfahren, werde mehr Boden verdichtet, die Wege seien weiter und würden darum nicht genutzt. Darum sieht der Stadtchef in der S8 nach wie vor die beste Lösung.