Debatte um Fluglärm geht wieder los. Mit schwindenden Corona-Restriktionen steigen die Überflüge und die Anrainer in Groß-Enzersdorf leiden.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 22. Juli 2021 (05:41)
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Die Bürgerinitiative „Lautstark gegen Fluglärm“ verlangt ein Nachtflugverbot auch in NÖ.
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Es geht wieder los mit dem Fluglärm: Nach der Corona-Verschnaufpause ist jetzt für die Flughafen-Anrainer die Ruhe dahin, das große Aufatmen der Reiselustigen geht mit der Lärmplage für die anderen Hand in Hand.

„Erst heute Nacht bin ich um 3 Uhr aus dem Schlaf aufgeschreckt, dabei schlafen wir mit Ohropax und bei geschlossenen Fenstern“, so Susanne Laschober von der Rauchenwarther Gruppe der Plattform SOS Ostregion. Auch die Bewohner des Stadtls und in Mühlleiten leben in der Einflugschneise des Flughafens, an der Piste 16/34. Am Tagesrand, vor allem am Wochenende, ist ein Gespräch im Garten nur im Staccato möglich.

Bewohner fühlen sich im Stich gelassen

Die Plattform SOS Ostregion, der auch die Groß-Enzersdorfer Bürgerinitiative „Lautstark gegen Fluglärm“ angehört, hat nach mehreren Gesprächsversuchen, die alle „nur in Richtung Dialogforum abgewiesen wurden“, nun einen offenen Brief an ÖVP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner geschrieben: „Wir fühlen uns von Ihnen im Stich gelassen. Corona geht, der Fluglärm kommt wieder. Und die ungleiche Lärm-Verteilung zwischen NÖ und Wien bleibt.“

Der Flughafen Wien wolle die Zahl der Flüge rasch wieder auf das Niveau von 2019 heben. „Das ist nicht nur mit den Klimazielen unvereinbar. Es geht auch um die Gesundheit.“ Denn 2019 gab es rund 75.000 Starts und Landungen zwischen 19 und 6 Uhr, davon über 24.000 zwischen 22 und 6 Uhr früh.

66 Mal Lärm-Horror pro Nacht

„Im Schnitt heißt das: 66 Mal Lärm-Horror pro Nacht, unsere Verzweiflung ist groß. Wir lassen uns nicht mehr an untergeordnete Bürgerbüros oder das Dialogforum delegieren“, so Jutta Leth. Die Sprecherin und Ärztin weist auf lärmbedingte Gesundheitsschäden und die damit verbundenen volkswirtschaftlichen Schäden hin. Die Plattform verlangt ein Nachtflugverbot wie in Wien. Das Land Niederösterreich müsse dafür seine politische Verantwortung wahrnehmen.

Antifluglärmaktivist Adolf Obrist von der Bürgerinitiative Lärmschutz kann inzwischen von kleinen Erfolgen berichten: Die NÖ Grünen haben zumindest eine verpflichtende Lärmmessung durchgebracht. Dazu sollen lautere Flugzeuge künftig höhere Entgelte bezahlen als leisere. Was in vielen Staaten längst Usus ist, wird nun in Österreich ab 2024 Realität: Ein Gebührenmodell, das nach Lärmemissionen differenziert. Die Hoffnung dahinter ist, dass nicht mehr alle lauten Brummer auf den günstigen Wiener Flughafen umschwenken, wie das derzeit wohl der Fall ist.