Die Stadtmauer wird neu gebaut

Erstellt am 19. Januar 2022 | 05:05
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Stadtmauer Groß-Enzersdorf
Das Loch in der Stadtmauer wurde provisorisch mit einem Holzgestell und einem Mauerbild „verschönert“.
Foto: Ulla Kremsmayer
Vor zwei Jahre krachte ein Autobus ungebremst in die Stadtmauer beim Wiener Tor in Groß-Enzersdorf. Jetzt soll mit der Reparatur begonnen werden.

Genau zwei Jahre ist es her, dass ein Autobus der Linie 26A ungebremst in die Stadtmauer beim Wiener Tor krachte. Es war der 28. Jänner 2020, um die Mittagszeit, noch knapp vor Schulschluss, sonst hätte es wohl einige Verletzte mehr gegeben. So kam nur die Stadtmauer schwer zu Schaden.

Doch nicht nur die Mauer selbst, auch ein an die Mauer angebautes kleines Haus wurde demoliert. Der Torpfeiler musste letztlich abgetragen werden, er drohte umzustürzen, das ruinierte Gebäude wurde zum Zankapfel. Die Versicherung tat es als Schuppen ab, für die Besitzer, die bosnisch-stämmige Familie Hodo, war es ihr Althaus, das sie nach der Fertigstellung des neuen Hauses für die Kinder als ihren „Alterssitz“ wieder herrichten wollten.

Einigung auf Umwegen

Man stieß auf ein weiteres Kuriosum: Die Mauer gehört nicht der Stadt, sondern eben dieser Familie und diese paar Meter Stadtmauer standen nicht einmal unter Denkmalschutz. Das Angebot der Gemeinde, die Mauer und deren Reparatur zu übernehmen, gelangte in die falsche Kehle, die Familie fühlte sich überrollt. „Keiner hat sich je erkundigt, wie es uns nach dem Unfall geht“, so der Familienvater damals.

Die Stadtmauer jedenfalls blieb liegen, zur Weihnachtszeit 2021 bekam die Ruine ein Holzgestell mit aufgespanntem Mauerbild. So konnte wenigstens die Weihnachtsbeleuchtung aufgehängt werden. Dann ruhte die Sache, das Bild verblasste. Doch schließlich konnte man sich einigen, der Schaden wurde nun „ordentlich abgegolten“, so Tochter Hajreta, Leiterin des familieneigenen Bauunternehmens.

Arbeiten an der Stadtmauer sollen demnächst starten

Gemeinsam mit dem Denkmalamt wurde ein Plan erstellt, ein sachkundiger Baumeister und ein Restaurator bestellt und jetzt „bereiten wir schon alles vor, wir beginnen demnächst“, so die Frau. Der Plan lag schon im Vorjahr bereit, allerdings hatte man viel zu tun. Die kalte Jahreszeit und wohl auch die NÖN-Nachfrage bei Gemeindeamt und Denkmalamt haben nun ein Zeitfenster geöffnet.

„Wir freuen uns, dass der im Privatbesitz befindliche Teil jetzt saniert werden kann und das Wiener Tor hoffentlich rechtzeitig zur Eröffnung der Landesausstellung 2022 wieder in altem Glanz erstrahlen wird“, erklärt SPÖ-Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec. Die Stadtchefin kündigt auch an, dass für die Dauer der Sanierungsarbeiten der Gehsteig in diesem Bereich gesperrt werden müsse.

Ein unerfreulicher Anblick ist auch die Baulücke am Kirchenplatz nach dem Abriss der alten Schmiede. Wenig auskunftsfreudig ist der Bauträger RoxHaus. Auf der Homepage prangt seit gut zwei Jahren „coming soon“. Die knappe Antwort auf Nachfrage: „Ich weiß nicht, warum Sie das interessieren könnte, Sie werden es schon sehen.“