Ein Radweg mit Lücke. Agrargemeinschaft blockiert „Eurovelo 6“ aus Angst vor Unfällen.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 05. Juli 2020 (03:05)
Vor dem Verbindungsstück vomHubertusdamm zum äußeren Damm prangt ein Verbotschild – aus rechtlichen Gründen gesperrt.
UK

Der Donauradweg, auch als „Eurovelo 6“ international ausgeschildert, zählt zu den beliebtesten und auch schönsten Radrouten Europas, heißt es auf der Niederösterreich-Homepage, unter dem Titel „Wo man sich gerne abstrampelt“. Doch mittendrin hat es sich ausgestrampelt, denn da tut sich eine kuriose Lücke bei Schönau auf.

Die Radler schimpfen, beim angrenzenden „Radlertreff“ fluchen sie weiter, die Wirtin bestätigt, dass auch sie viele empörte Anrufe und Anfragen zu bewältigen habe. Besitzer des Weges – rund 300 Meter lang – ist die Schönauer Agrargemeinschaft von 19 Grundeignern. Sie legt sich quer. Das OGH-Urteil zur tödlichen Kuhattacke in Tirol, bei dem der Bauer im Mai dieses Jahres zu einer hohen Entschädigungszahlung für die Hinterbliebenen verdonnert wurde, sitzt der Agrargemeinschaft in den Knochen.

„Was geschieht, wenn ein Baum beim Sturm auf die Radler fällt oder jemand stürzt und sich verletzt? Die Eigenverantwortung wird immer weniger, für uns wäre eine ähnliche Verurteilung wie in Tirol existenzbedrohend“, erklärt Obmann Leopold Zehetbauer. Man habe sich sogar bei einer Versicherung erkundigt, doch es bleibe ein Restrisiko – nämlich dann, wenn grobe Fahrlässigkeit gegeben sei.

Also müsse man laufend Bäume kontrollieren, umschneiden und den Weg warten: „Das können und wollen wir nicht. Wir wurden seinerzeit, als der Weg eingerichtet wurde, auch gar nicht gefragt“, so Zehetbauer. Nun haben sich auch die Gemeinde und das Land sowie Vertreter von „ecoPlus“ und „Eurovelo“ eingeschaltet. In einer Videokonferenz versuchte man, sich zu einigen – ohne Erfolg.

Die Agrargemeinschaft verweist auf die Ausweichroute am inneren Damm, doch auch da ist das Radfahren nach der jüngst erfolgten Sanierung verboten. Den Massentourismus am Donauradweg stehe man ohnehin auch skeptisch gegenüber, so Alois Marchart, der Stellvertreter der Bauerngemeinschaft. Die Vertreter des Landes zeigten sich genervt, berichtet Grünen-Mobilitätsstadtrat Andreas Vanek. SP-Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec bleibt optimistisch: „Ich bin zuversichtlich, dass wir noch Lösungen finden. Die Gemeinde bietet die Wartung des Weges an, auch Haftungsfragen könnten bald geklärt werden.“