Straßenbahn als neue Lösung für Wien-Pendler? . Wiener SP-Stadträtin plant Ausbau des Straßenbahnnetzes nach Groß-Enzersdorf.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 30. September 2020 (04:55)
Eine Erweiterung des Straßenbahnnetzes nach Groß-Enzersdorf soll laut SP-Stadträtin Sima geplant sein.
Wiener Linien

Die Wiener Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) hat es wieder einmal verkündet: Das länderübergreifende Straßenbahnnetz soll ausgebaut werden, konkret die Straßenbahn nach Schwechat, Kaltenleutgeben und Groß-Enzersdorf. Im letzteren Fall geht es um den „25er“, der derzeit in Aspern endet und um sieben Kilometer verlängert werden müsste.

Die genaue Streckenführung bleibt in diesem Fall unklar – wie käme man etwa durch das Nadelöhr Essling? Sima versichert den Projekten jedenfalls eine „hohe Realisierungswahrscheinlichkeit“, die Planungsgemeinschaft-Ost (PGO) sei mit der Prüfung beauftragt worden.

Klar sei aber auch, dass Wien die Kosten dafür nicht allein tragen werde. Das könne nur gemeinsam mit dem Bund und Niederösterreich gestemmt werden. Niederösterreichs VP-Landesrat Ludwig Schleritzko versicherte daraufhin in einer Aussendung, den Plänen offen gegenüber zu stehen. Mit einem Ergebnis der PGO rechnet er im Frühjahr. „Uns eint dabei der Wille, die besten Lösungen für Pendlerinnen und Pendler über Ländergrenzen hinweg zu finden.“

Die Umsetzung für alle drei Projekte würde fast 400 Euro kosten, berief sich Schleritzko auf Expertenschätzungen. Dazu kämen noch jährliche Bestellkosten des Verkehrsangebots in Höhe von rund 40 Millionen Euro. „Welche Kosten hier durch die Nahverkehrsmilliarde des Bundes finanziert werden können, wie man die Angebotsbestellung organisiert und viele weitere Fragen müssen jetzt beantwortet werden“, so der Landesrat.

Grüne und VP-Stadträte zeigen sich skeptisch

Der Groß-Enzersdorfer Mobilitätsstadtrat Andreas Vanek zeigt sich vorsichtig erfreut: „Bei solchen Ankündigungen zwei Wochen vor einer Wahl bin ich etwas vorsichtig, denn vor der NÖ Landtagswahl wurde die Verlängerung der U-Bahn bis Deutsch-Wagram angekündigt“, erinnert er sich.

Aber prinzipiell sei es ein wichtiger Schritt in die Richtung einer überregionalen Schnellstraßenbahnverbindung zwischen dem südlichen Marchfeld und Wien. Und wichtig sei auch, dass diese Linie nicht nur als Ersatz des jetzt schon überlasteten Autobusses, des 26A, kommt, sondern zusätzlich. „Denn durch den Zuzug brauchen wir in den nächsten 10 Jahren eine Kapazitätsverdoppelung in diesem Korridor“, so Vanek. Er werde sich jedenfalls gerne in die Beratungen der PGO einbringen.

Sein türkiser Stadtratskollege Gottfried Rotter zeigt sich ebenfalls gleichermaßen skeptisch wie erfreut: „Das wäre natürlich schön, da den Großteil Wien zahlen würde. Eine Entlastung des Pendlerverkehrs brauchen wir wie ein Stück Brot. Aber ich fürchte fast, dass das ein Wahlkampf-Sager für Wien ist.“ Offen für Rotter sei auch noch die Streckenführung. „Wo ist Platz für zwei Schienenstränge?“

Neos-Gemeinderat Reinhard Wachmann, der im Gemeinderatswahlkampf gemeinsam mit den Wiener Neos auf eine Lokalbahnverbindung setzte, sagt: „Das wäre perfekt. Wobei wir noch immer die vorgestellte Variante mit der Anbindung an Aspern Nord vorziehen würden. Denn dies wäre, gemeinsam mit einer Busverbindung nach Raasdorf, eine optimale Geschichte und entlastet einmal schneller die Esslinger Hauptstraße.

SP-Bürgermeisterin Monika Obereigner-Sivec begrüßt als Stadtchefin jeden Vorstoß der Stadt Wien, der zu einer Verbesserung für die Pendler aus der Region werden kann: „Es freut mich auch, dass seitens des Landes Niederösterreich Bereitschaft für konstruktive Gespräche besteht.“

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