Theater, Chor & Co.: Wer spielen kann, spielt weiter. Groß-Enzersdorf: Ob Theatergruppe, Kulturveranstalter oder Kirchenchor: Gelegenheit, Kunst zu präsentieren, wird immer rarer.

Von Ulla Kremsmayer. Erstellt am 30. Oktober 2020 (04:34)
Die Theatergruppe Lampenfieber will sich nicht beugen und nimmt sich vor, zu spielen, was möglich ist.
KTK Lampenfieber

Die Theatergruppe Lampenfieber musste ihre schon groß angekündigte Premiere im Gasthof Beinreich in Wittau in letzter Minute absagen, ein Techniker war positiv getestet worden – und obwohl er eigentlich abseits vom Bühnengeschehen bei der ersten Generalprobe gesessen war, er war dabei. Ob die Tournee aber in dieser Woche in Deutsch-Wagram doch noch weiter gehen kann?

Nach Absprache mit den verantwortlichen Stellen für Verdachtsfälle wurden alle Schauspieler, der Regisseur und die Ersatz-Techniker in der Zwischenzeit getestet – zum Glück negativ. „Nach derzeitigem Stand können wir spielen“, berichtet Produktionsleiter Walter Gallauner, im Zivilberuf Rettungssanitäter beim Roten Kreuz.

„Wir haben ein tolles Kulturprogramm etabliert. Die Gefahr ist, dass sich jetzt alles zerstreut.“„Kultur im Kotter“-Obmann Christian Stadler

„Wir haben in unseren Reihen einen Covid-19-Beauftragten und achten auch genau darauf, dass wir die Abstände auf und hinter der Bühne einhalten. Wir sind auch nie mehr als sechs Personen gleichzeitig auf der Bühne, die Sitzreihen im Publikum werden korrekt nur zur Hälfte besetzt.“ Wehmütiger Nachsatz: „Es wird auch keine gemeinsame Schlussverbeugung geben, keine Pausen und kein gemütliches Zusammensein nach der Vorstellung.“

Ebenso traurig sei es auch, dass die heurige Tournee wahrscheinlich ein ordentliches Minus für die Truppe ergeben wird. Schließlich gebe es Ausgaben für den Probenraum, den Kulissentransport und so fort, aber nur einen Bruchteil der Einnahmen. Noch gebe es Reserven im Vereinsbudget, doch auch die werden bald aufgebraucht sein.

„Ein zweites Jahr können wir nicht mehr stemmen“, so Gallauner. Doch die Lust zu Theater zu machen, sei jedenfalls heuer noch groß. „Trotz alledem: Wir spielen!“

Der Verein „Kultur im Kotter“ hingegen hat alle seine Veranstaltungen bis Ende 2020 abgesagt – „schweren Herzens“, so Obmann Christian Stadler. Innerhalb der alten Kottermauern wäre es eindeutig zu eng geworden, oder besser gesagt, zu leer, wenn die Abstände eingehalten werden müssen.

Das Kabarettfestival wurde nun neuerlich auf März verschoben, nachdem es schon einmal von März auf November vertagt worden war. „Dafür ist ausreichend Publikum notwendig, um es finanzieren zu können.“ Schon getätigte Ausgaben könnten aber auch einfach futsch sein, wenn es auch im März noch gefährlich wird, aber „Noch einmal verschieben können wir nicht.“ Einstweilen fürchten sich die Kotterianer schlicht auch vor dem Vergessenwerden.

„Wir haben ein tolles Kulturprogramm in Groß-Enzersdorf etabliert, es gab regelmäßig Kabarett und Kleinkunst, Musik, Kontroversen, Lesungen oder das beliebte Kotterquiz.“ Jetzt ist es still geworden – und das bleibt es auch auf längere Sicht. „Die Gefahr ist, dass sich alles zerstreut“, befürchtet Stadler. Auch die aufstrebenden Künstler, die im Kotter ihre Bühne fanden, kämpften ums Überleben. Kein Auftritt, keine Gage, kein Namensnennung, kein Plakat.

Zum Nichtstun ist auch der Kirchenchor Franzensdorf weiterhin verdammt. Im Frühjahr musste der große Musicalauftritt verschoben werden, im Herbst der Volksmusikabend und jetzt auch noch das Adventkonzert. Es gibt keine Proben, keine Treffen, sogar die Pfarrcafés, die über den Sommer im Freien stattfinden durften, sind wieder eingestellt.

„Vielleicht können wir im Advent eine kleine Punschhütte vor der Kirche aufstellen, damit wir uns wieder einmal leibhaftig sehen“, so Pfarrgemeinderatsvorsitzende und Chorsängerin Maria Radl. Ein kurzes Wiedersehen gab es für die Franzensdorfer nur am letzten Sonntag – am Bildschirm: Denn da hatten sie ihren Auftritt im Österreich-Tatort bei der Probe zu einem Brucknerkonzert in der Votivkirche (siehe Bild unten). Der Dreh fand allerdings schon im September des Vorjahres statt.