Geschichte erleben: Eine Reise in alte Zeiten. Wie erfolgte die Weinlese vor der Einführung von Maschinen? Was hat eine Organistin zu erzählen, die 70 Jahre lang für die passenden Töne in der Kirche sorgte?

Von Edith Mauritsch. Erstellt am 17. November 2016 (05:33)
Die Zeitzeugen Josef Platt, Josef Marko, Gerhard Seiler und Rosalia Weingast (vorne rechts) mit VP-Ortschefin Marianne Rickl, die Michael Friedrich und dem „wandelnden Gemeindelexikon“ Walter Lauer für deren Engagement bei der Aufarbeitung von jeder Menge Material dankte.
Mauritsch

Zeitzeugen und Dorfgeschichten standen im Fokus der nunmehr bereits zweiten Veranstaltung der Reihe „Seinerzeit zu meiner Zeit“, moderiert von Michael Friedrich. Josef Platt gab mit gewohnt launigen Worten einen Einblick in die harte Arbeit eines Winzers in vormaschineller Zeit.

Die Lese erfolgte damals noch mit dem Messer, Weingartenscheren waren noch nicht im Gebrauch. Zarte 13 Jahre jung war Josef Marko, als seine Eltern mit dem Pferdefuhrwerk in die Nachbarortschaft zur Besichtigung eines Weingartens in Hochkultursetzung fuhren – damals revolutionär. Sein erster Gedanke war: „So einen Weingarten möchte ich auch mal haben!“

"Die Antwort weiß nur der Wind"

Maria Mauser sorgte als Organistin unglaubliche 70 Jahre lang für die feierliche Umrahmung der hl. Messe und hatte auch so einige Bonmots zu erzählen. Von der schweren Zeit der Nachkriegsjahre und der russischen Besatzung berichtete Rosalia Weingast. Als junge Frau wuchs sie in die Aufgaben einer Gemeindesekretärin hinein. Kurios: Ihre Schreibmaschine musste sie damals allerdings selbst mitbringen. Einer, der heute noch der Musik verschrieben ist, gab seine Erinnerungen an die Liedertafel 1968 wieder. Eine Veranstaltung, die sich über mehr als drei Stunden zog – heute würde man wohl Clubbing dazu sagen.

Männer-, Kinder- und Gemeindechöre traten auf, ein Salonorchester spielte und Gerhard Seiler gab eine seiner ersten Kompositionen mit dem Titel „Die Antwort weiß nur der Wind“ zum Besten. In den voll besetzten Reihen waren interessanterweise auch viele Jugendliche zu finden, die überaus gebannt den Geschichten aus der „Vor-Smartphone-Ära“ lauschten – eine Zeit, die weniger lange her ist, als man glauben möchte.