Die Gefahr auf vier Pfoten im Bezirk Gänserndorf?. Die einen halten es für Unsinn, die anderen für längst überfällig. Die Novelle sorgt für jede Menge Diskussionen.

Von Lisa Unterreiter, Thomas Schindler, Robert Knotz und Manuel Mattes. Erstellt am 13. November 2019 (04:00)
„Es gibt keine absolute Sicherheit. Schon gar nicht mit diesem Gesetz“, betont Tierärztin Beatrix Grund.
Unterreiter

Für ein Aufjaulen sorgt das neue vom nö. Landtag beschlossene Hundehaltegesetz. Kritik hagelt es vor allem für die verstärkte Beißkorbpflicht „bei größeren Menschenansammlungen“. Gesammelt werden nun sogar Unterschriften für eine Volksbefragung. Die NÖN hörte sich im Bezirk um, wie dort die verschärften Bestimmungen für Vierbeiner ankommen.

Beatrix Grund, Leiterin der Tierklinik Groß-Enzersdorf, ist über das Gesetz nicht erfreut: „Es ist einfach unsinnig und absolut tierschutzwidrig.“ Die Veterinärin hat in ihrem beruflichen Alltag mit unterschiedlichsten Rassen zu tun und stuft das Hundehaltegesetz sogar als gefährlich ein. „Hunde brauchen unbedingt soziale Kontakte und die Interaktion sowohl mit Menschen als auch mit ihren Artgenossen. Die Tiere werden eingeschränkt und zu einer einzigen Gefahr abgestempelt“, so Grund.

Gerald Reichl, Chef der Kriminaldienstgruppe des Bezirks, ist selbst Besitzer eines Labradors und regelmäßiger Besucher der Hundeschule in Groß-Schweinbarth. Der Polizist hält vom neuen Gesetz, ähnlich wie Beatrix Grund, relativ wenig: „Mit dieser Regelung kann eigentlich kein gewöhnlicher Hundebesitzer zufrieden sein.“ Es sei überhaupt nicht definiert, wie groß die Menschenansammlung sein muss, damit die Maulkorbpflicht in Kraft tritt: „Sind da zehn Menschen gemeint oder 20? Und auf welcher Flächengröße?“

"Da hänge ich ihm sicherlich keinen Beißkorb um"

Derzeit nimmt Reichl seinen Vierbeiner mit, wenn er ins Gasthaus geht: „Dort liegt er brav unter dem Tisch und rührt sich nicht. Da hänge ich ihm sicherlich keinen Beißkorb um, dann gehe ich künftig eben nicht mehr in ein Lokal.“

Als Polizist befürchtet er, dass es in Zukunft mehr Anzeigen geben wird: „Zum Beispiel, wenn ein Hund unter dem Gasthaus-Tisch keinen Maulkorb hat. Da findet sich bestimmt ein anderer Gast, der den Tierhalter sofort anzeigt.“

Statt des besagten Gesetzes hätte man etwas anderes beschließen sollen, so Reichl: „Nämlich verpflichtende Schulungen für Hunde und deren Besitzer.“ Damit wäre der Gesellschaft mehr geholfen, ist der Polizist überzeugt: „Wenn ein 35-Kilo-Hund ein Kleinkind anspringt und niederstößt, kann dieses schwer verletzt werden, auch wenn der Vierbeiner einen Beißkorb hat.“ Mit der richtigen Erziehung hingegen wäre nichts passiert.

Gerald Reichl ist vom neuen Hundehaltegesetz nicht überzeugt.
privat

Doch wie stehen all jene Personen dazu, die auf das Training des Zusammenhalts zwischen Mensch und Tier spezialisiert sind? „Das neue Gesetz geht völlig am Problem vorbei und wird sich als wirkungslos erweisen. Wieder einmal ging es den Parteien nur um populistischen Stimmenfang und nicht um eine ehrliche Lösung. Hunde mit einer gewissen Größe zu diskriminieren, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Auch ein Chihuahua kann ein Kind verletzen“, so Günther Potocnik vom Hundeausbildungszentrum Gänserndorf.

Noch ist nichts in Stein gemeißelt: „Es wird Verhandlungen geben, um das Gesetz nachzubessern. Der Grund dafür sind die vielen Beschwerden von Hundebesitzern, die die Vorschriften für stark überzogen halten. Auch ich werde öfter drauf angesprochen“, merkt die Dritte Landtagspräsidentin Karin Renner an, die selbst Hundebesitzerin ist.

Wie sich die Änderung im Gesetz auf den Alltag zwischen Mensch und Tier auswirkt und wie es das Zusammenleben beeinflusst, kann nur schwer beantwortet werden. Aus Sicht der befragten Experten scheint die Leinen- und Beißkorbpflicht nicht notwendig zu sein. Schließlich geht es um den besten Freund des Menschen.

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